Warum die Türkei in Syrien einmarschieren will

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Erdogan vor stramm stehenden Soldaten
Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei, hat erneut eine Offensive im von Kurden beherrschten Gebiet in Nordsyrien angekündigt. (Foto: dpa)
Thomas Seibert

Die türkische Armee hat Artillerie, Bodentruppen sowie verbündete Milizen an der Grenze zu Syrien zusammengezogen, um in das Nachbarland einzumarschieren. Präsident Recep Tayyip Erdogan droht seit mehr als einem halben Jahr mit der Invasion, jetzt könnte es so weit sein. Der Konflikt erhöht die Gefahr, dass Islamisten nach Europa heimkehren. Ein Blick auf die wichtigsten Akteure und ihre Motive:

Die Türkei: Ankara will das kurdische Autonomiegebiet zerschlagen, das sich im Schatten des Bürgerkrieges entlang der türkischen Südgrenze gebildet hat. Der erste Vorstoß seit 2018 soll sich gegen das Kurdengebiet östlich des Euphrat richten. Die Pläne sehen die Errichtung einer bis zu 40 Kilometer tief auf syrisches Gebiet reichenden „Sicherheitszone“ vor, aus der die kurdischen YPG-Volksverteidigungseinheiten vertrieben werden sollen.

Dieser Korridor soll vom Euphrat bis zur irakischen Grenze im Osten Syriens reichen. Ein Einmarsch würde auch die türkische Position bei möglichen Verhandlungen über eine Nachkriegsordnung stärken. Innenpolitisch steht Erdogan wegen der wachsenden Abneigung der Bevölkerung gegen die 3,6 Millionen syrischen Flüchtlinge unter Druck. Die „Sicherheitszone“ soll laut Ankara auch dazu dienen, syrische Flüchtlinge anzusiedeln und so die Zahl der Syrer in der Türkei zu verringern.

Die Kurden: Das Vorhaben ist für die Türkei riskant. Ihre Armee ist durch Einsätze in anderen Teilen Syriens und im Irak stark gefordert. Den Soldaten stehen im Nordosten Syriens gut ausgebildete und ausgerüstete Kämpfer gegenüber. Das Kurdengebiet in Syrien wird von den YPG beherrscht. Sie bilden das Rückgrat der Demokratischen Kräfte Syriens (SDA), einer 60 000 Mann starken Miliz, die von den USA unterstützt und bewaffnet wird. Die SDA hatte mit Hilfe der amerikanischen Luftwaffe die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) in Syrien besiegt.

Gegen Syrien-Einsatz der Türkei: Kurden demonstrieren in Ulm

Nicht nur in Köln, auch in der Ulmer Innenstadt haben Kurden erneut gegen die türkische Kriegspolitik demonstriert. Unter schärfsten Sicherheitsbedingen haben sich mehrere 100 Menschen am Berblinger Brunnen zusammengefunden. Einige Tage zuvor hatte es bei einer anderen Kundgebung Auseinandersetzungen zwischen Polizei und den Demonstranten gegeben.

Experten rechnen daher mit einer sehr eng begrenzten Intervention der Türkei. Das Bündnis zwischen Washington und der YPG belastet das türkisch-amerikanische Verhältnis. Die Kurden, die ihre Autonomie behalten wollen, befürchten deshalb, im Falle eines neuen türkischen Einmarsches von den USA im Stich gelassen zu werden. Sie kündigen an, dass sie bei einer Invasion die Inhaftierungslager für Zehntausende IS-Kämpfer in ihrem Machtbereich nicht mehr bewachen werden. Tausende ausländische Dschihadisten könnten versuchen, nach Europa zurückzukehren.

Die USA: Die USA versuchen, den Nato-Partner Türkei zur Zurückhaltung zu bewegen. Berichten zufolge bietet Washington die Einrichtung einer Sicherheitszone von wenigen Kilometern Tiefe in Nordost-Syrien an, die nach einem YPG-Abzug von türkischen und amerikanischen Truppen patrouilliert werden soll. Das soll dazu dienen, die Kurden vor der Türkei zu schützen. Bisher will sich die Türkei aber nicht darauf einlassen: Erdogan hat angekündigt, notfalls auch ohne Einigung seine Soldaten über die Grenze zu schicken.

Der Streit verstärkt die Spannungen zwischen der Türkei und den USA, die sich auch um den Kauf eines russischen Systems für die türkische Flugabwehr streiten. Washington will zudem gegenüber Iran und Russland – den Verbündeten des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad – zeigen, dass die USA in Syrien weiter mitmischen wollen. Washington will diese betreffenden Landesteile mit einigen der besten Ackerflächen und Ölquellen Syriens nicht der Regierung und damit dem russisch-iranischen Einfluss überlassen.

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Nicht nur bundesweit, sondern auch im Landkreis Ravensburg nimmt die Zahl türkischer Asylbewerber deutlich zu.
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