Vatikan ernennt neuen Papstsprecher

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Alessandro Gisotti, 45, ist neuer Sprecher des Papstes.
Alessandro Gisotti, 45, ist neuer Sprecher des Papstes. (Foto: oh)

Alessandro Gisotti ist neuer Pressesprecher des Vatikans und somit des Papstes. Nach dem überraschenden Rücktritt des erst 2016 zum Papstsprecher ernannten US-amerikanischen Opus-Dei-Mitglieds Greg Burke am 31. Dezember wurde der italienische Journalist Gisotti zum vorläufigen Nachfolger ernannt. Der 45-Jährige genieße, wie es aus dem Vatikan heißt, das volle Vertrauen von Papst Franziskus. Und er scheint ein Wunschkandidat von Paolo Ruffini zu sein, dem ersten Laien und professionellen Journalisten, der seit vergangenem Juli dem vatikanischen Kommunikations-Dikasterium vorsteht.

Gisotti ist Politikwissenschaftler und seit 2012 stellvertretender Chefredakteur des Radio Vaticana. Bisher war er auch innerhalb des vatikanischen Dikasteriums für Social-Media-Angelegenheiten verantwortlich. An verschiedenen päpstlichen Hochschulen in Rom unterrichtete Gisotti zudem Journalismus.

Gisotti gilt als ausgewiesener Kenner des amtierenden Papstes, über den er bereits verschiedene Bücher verfasst hat. Dazu gehören auch zwei Bände, die sich mit der direkten Sprach- und Redeweise von Papst Franziskus auseinandersetzen, die von Gisotti als besonders volksnah gewürdigt wird.

Gisotti gilt als Journalist, der kirchenpolitisch auf der Seite von Franziskus steht, gegen jene konservativen Kräfte, die die Reformpolitik des Papstes zu blockieren versuchen. Aus gut informierten Kreisen im Vatikan heißt es, dass Gisottis Vorgänger Burke von Kommunikationschef Ruffini und verschiedenen Kurienkardinälen zum Rücktritt gedrängt worden sei. Auf diese Weise wolle man das vatikanische Kommunikationsministerium kirchenpolitisch auf Linie bringen – und zwar ganz im Sinn der Reformpolitik von Franziskus.

Klar ist, dass Gisotti als Vatikansprecher kommunikationspolitisch am gleichen Strang wie sein Vorgesetzter ziehen wird. Die Nominierung Gisottis ist vorerst nur vorläufig, doch wird sie wahrscheinlich in den kommenden Tagen dauerhaft werden.

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