US-Außenminister sagt Besuch bei Merkel ab

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US-Außenminister Mike Pompeo bleibt Berlin fern.
US-Außenminister Mike Pompeo bleibt Berlin fern. (Foto: AFP)
Stefan Kegel

Mit der kurzfristigen Absage seines ersten Deutschland-Besuchs hat der amerikanische Außenminister Mike Pompeo am Dienstag die Bundesregierung überrascht. Eigentlich sollte er am Nachmittag vom Arktis-Gipfel im finnischen Rovaniemi aus für einige Stunden nach Berlin kommen und mit Außenminister Heiko Maas (SPD) und danach mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprechen.

Kurz vor 10 Uhr traf in Berlin eine als geheim eingestufte Mail aus Washington ein, dass Pompeos Visite platzen werde. „Bedauerlicherweise müssen wir den Besuch in Berlin aufgrund dringender Angelegenheiten verschieben“, sagte Pompeos Sprecherin Morgan Ortagus kurz danach. Später telefonierten die beiden Außenminister miteinander. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es, in dem Gespräch habe Pompeo sein Bedauern über die Umplanung mitgeteilt. „Außenminister Maas drückte sein Verständnis für die Terminverschiebung aus“, teilte das Ministerium mit.

Mit der Absage setzten Spekulationen über die Gründe ein. Immerhin wäre es Pompeos Antrittsbesuch in Berlin gewesen. Vermutungen, dass politische Differenzen zwischen den USA und Deutschland die Ursache seien, wies der Transatlantische Koordinator der Bundesregierung, Peter Beyer (CDU), im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ zurück: „Von einer Verstimmung im transatlantischen Verhältnis als Grund der Absage kann nicht die Rede sein.“ International hatten in den vergangenen Tagen sowohl die politische Lage im südamerikanischen Venezuela als auch die Entsendung eines US-Flugzeugträgers in Richtung Iran für Aufmerksamkeit gesorgt. Aber auch der eskalierende Handelsstreit mit China und Europa beschäftigt gegenwärtig die Diplomaten aller Ebenen.

Nach Angaben des Senders CNN wollte Pompeo am Dienstag statt nach Deutschland in ein anderes Land fliegen. Selbst den begleitenden Journalisten sei aber nicht mitgeteilt worden, wohin. Pompeos heutiger Besuch in London sollte nach Angaben der dortigen US-Botschaft wie geplant stattfinden. Am Donnerstag steht eine Visite in Nuuk auf Grönland auf seinem Programm.

In Berlin wurde Pompeos entfallener Besuch bedauert. „Ich bin enttäuscht von der Absage, weil es eine Menge an wichtigen Themen zu besprechen gibt – von der Ukraine, Russland und der Gaspipeline Nord Stream 2 bis hin zum Iran, Syrien und China“, sagte Beyer. Aus Washington hieß es, man wolle bald „einen neuen Termin für diese wichtigen Gespräche vereinbaren. Der Außenminister freut sich schon darauf, bald nach Berlin zu kommen.“

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