US-Armee bekommt mehr Zeit zum Rückzug aus Syrien

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 US-Konvoi in Manbidsch: Die amerikanischen Truppen sollen Syrien verlassen, hat Präsident Donald Trump angeordnet. Doch das wir
US-Konvoi in Manbidsch: Die amerikanischen Truppen sollen Syrien verlassen, hat Präsident Donald Trump angeordnet. Doch das wird nun einige Monate mehr Zeit in Anspruch nehmen als zunächst angekündigt. (Foto: AFP)
Michael Wrase
Redakteur

Nach der massiven Kritik an seiner Entscheidung, gut 2000US-Soldaten innerhalb weniger Wochen aus Nord-Syrien abzuziehen, tritt Donald Trump nun doch auf die Bremse. Der amerikanische Präsident will dem Militär offenbar vier Monate Zeit zum Rückzug aus dem Krisengebiet gegeben. Die Soldaten, schrieb Trump im Kurznachrichtendienst Twitter, würden jetzt „langsamer“ (als geplant) abgezogen.

Zuvor hatten Militärplaner dem mitunter beratungsresistenten US-Präsidenten eingeschärft, dass für einen geordneten Rückzug aus Nordsyrien mindestens vier Monate notwendig seien. Nur so könne verhindert werden, dass zurückgelassenes Militärgerät womöglich in die Hände der Russen, Iraner oder der Assad-Armee fallen könne, die sich anschickt, die Stellungen der US-Armee in Nordsyrien zu übernehmen. Elitetruppen des syrischen Präsidenten waren in der letzten Woche nach Manbidsch vorgerückt und hatten dort die Landesfahne gehisst.

Hilfe aus dem Irak möglich

Die strategisch wichtige Stadt am Euphrat wurde bisher von den kurdischen „Volksverteidigungsmilizen“ (YPG) kontrolliert, die in ihrem erfolgreichen Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) die letzten drei Jahre vom US-Militär unterstützt wurden. Nach dem US-Abzug aus Nordsyrien „könnten“ im Irak stationierte US-Einheiten diese Aufgabe übernehmen, hatte Donald Trump bei seinem weihnachtlichen Truppenbesuch im Irak angedeutet. Tatsächlich wird sich die US-Armee künftig auf Luftangriffe gegen mutmaßliche IS-Stellungen in Syrien beschränken müssen.

In den „Antiterrorkampf“ wollte Donald Trump auch die türkischen Streitkräfte und ihre arabisch-islamistischen Söldnermilizen mit einbeziehen. Diese betrachten allerdings nicht den IS, sondern die kurdischen YPG-Milizen als ihren Hauptfeind. Eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen den türkisch-geführten Kräften und der YPG, hatte der republikanische US-Senator Lindsay Graham am Montag in Washington gewarnt, wäre jedoch „das Letzte, was wir wollen, weil es den Druck von den islamistischen Terrormilizen nehmen würde“.

Vor allem Graham soll es bei einem Arbeitsessen mit Trump gelungen sein, den US-Präsidenten von der Revidierung seiner Abzugspläne aus Syrien zu überzeugen. Als Argumente dienten die Angst vor einer Ausweitung des iranischen Einflusses in Syrien sowie der IS, der laut Graham „noch nicht besiegt“ worden sei. Trump hatte vor einer Woche noch das Gegenteil behauptet.

Bolton reist nach Ankara

Nach amerikanischen Medienberichten soll Senator Graham bei dem Treffen mit Trump auch die Einrichtung einer vom türkischen Präsidenten Recep Tayyib Erdogan geforderten Pufferzone entlang der türkisch-syrischen Grenze zur Sprache gebracht haben. Das Thema dürfte auch den für den 8.Januar geplanten Besuch von Trumps Sicherheitsberater John Bolton in Ankara dominieren.

Die syrische Regierung hat unterdessen bekräftigt, dass nur eigene Truppen die syrisch-türkische Grenze kontrollieren könnten. Bestärkt wird Damaskus in seiner Haltung von Moskau, das die „Wiederherstellung der staatlichen syrischen Einheit“ unter der Ägide von Baschar al-Assad wiederholt bekräftigte.

Auch die syrischen Kurden deuteten in der vergangenen Woche an, sich der syrischen Staatsarmee nach einem amerikanischen Truppenabzug unterordnen zu wollen. Das letzte Wort scheint in dieser Angelegenheit allerdings noch nicht gesprochen zu sein. Die Verlängerung der amerikanischen Abzugsfrist auf vier Monate gibt allen Konfliktparteien die Möglichkeit, sich neu zu positionieren.

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