UN-Weltklimagipfel: Klimaforscher sieht Politik kritisch

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 Klimaforscher Mojib Latif äußert sich anlässlich der 25. UN-Weltklimakonferenz kritisch.
Klimaforscher Mojib Latif äußert sich anlässlich der 25. UN-Weltklimakonferenz kritisch. (Foto: Markus Scholz)
Schwäbische Zeitung

Rund 50 Regierungschefs treffen sich derzeit, um über Klimaziele zu sprechen. Die 25.UN-Weltklimakonferenz hat am Montag in Madrid angefangen. Klimaforscher Mojib Latif (Foto: dpa) schätzt die Klimapolitik im Gespräch mit Kristina Staab ein und erteilt Rat.

Was muss passieren, um eine Trendwende in der Klimapolitik zu schaffen?

Um das erklärte Weltklimaziel aus dem Pariser Abkommen zu erreichen, müssen die CO-Emissionen zwischen sieben und acht Prozent pro Jahr sinken. Tatsächlich sind sie aber jedes Jahr weiter gestiegen: seit den 1990er-Jahren um rund 70Prozent weltweit. Einerseits geht es darum, Ländern zu helfen, die bereits stark vom Klimawandel betroffen sind. Außerdem müssen die Politiker alles daransetzen, ihre Politik anzupassen, um das Pariser Abkommen zu erfüllen. Derzeit würden die geplanten Maßnahmen auf eine Erderwärmung von mehr als drei Grad Celsius hinauslaufen.

Welche Maßnahmen halten Sie für die wichtigsten?

Dazu muss auf jeden Fall der Ausbau der erneuerbaren Energien forciert werden. Zusätzlich zu einem Ausstieg aus Kohle, Öl und Erdgas muss auch die Luft gereinigt werden. Dafür muss man die Forschung intensivieren, um neue Techniken zu entwickeln. Diese sollten die Luft nicht nur säubern, sondern die entnommenen Stoffe außerdem in Kraftstoffe wandeln. Damit sollte man sofort anfangen, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren.

Was erwarten Sie von der UN-Weltklimakonferenz?

Seit Jahren ist nach den Weltklimagipfeln immer das Gegenteil von dem passiert, was hätte geschehen müssen. Nun haben die USA das Pariser Abkommen gekündigt – wer weiß, wer noch folgen wird. Es sieht sehr schlecht aus. Auf der anderen Seite fordern immer mehr Gegenbewegungen wie „Fridays for Future“ mehr für das Klima zu tun.

Bedeutet das, dass Weltklimakonferenzen eigentlich unnötig sind, weil sich sowieso nichts ändert?

Das Motto der Konferenz lautet „Zeit zu handeln“, das muss jetzt eingefordert werden. Der Gehalt von Treibhausgasen in der Luft erreicht jedes Jahr neue Rekorde. Ich denke, dass Deutschland und die EU eine Vorreiterrolle in der Klimapolitik einnehmen müssen. Die europäischen Länder müssen sich verpflichten mehr zu tun, als bisher im Klimapaket angegeben. Dieses Paket kann man bisher nur einen Witz nennen.

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