Umstrittene Prediger bei Botschaftszeremonie in Jerusalem

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Frank Herrmann
Frank Herrmann

Der eine predigte, Juden kämen in die Hölle, der andere bezeichnete den Holocaust als Gottes Plan – für die Eröffnung der US-amerikanischen Botschaft in Jerusalem am Montag hatte Präsident Donad Trump zwei evangelikale Pfarrer eingeladen, die in der Vergangenheit durch kontroverse Aussagen aufgefallen sind.

So eröffnete der Baptistenpfarrer Robert Jeffress aus Dallas die Botschaftszeremonie. So wie er die Bibel auslegte, wird die Apokalypse eingeläutet, wenn die Juden zurückkehren nach Israel. Sobald dann der Messias auf Erden erscheine, werde der christliche Glaube triumphieren, und wer ihn nicht annehme, möge im ewigen Fegefeuer verbrennen.

Sowohl der Islam als auch das Mormonentum, predigte Jeffress vor Jahren, seien Irrlehren „aus dem Schlund der Hölle“. Auch als Jude könne man nicht gerettet werden, sofern man sich nicht bekehren lasse.

Der Evangelikale John C. Hagee, der in seinem Abschlussgebet der Botschaft in Jerusalem Segen spendete, ist nicht unumstritten. Vor der Zeremonie lobte er Trump auf dem rechtspopulistischen Nachrichtenportal Breitbart News. „An Ihren Namen wird man sich noch in tausend Jahren erinnern“, schmeichelte der Pfarrer in einem Interview. „Sie haben die politische Unsterblichkeit erreicht, denn Sie hatten die Courage, das zu tun, was sich andere Präsidenten nicht getraut haben.“

Einflussreicher Geistlicher

Hagee ist Pfarrer einer protestantischen Megakirche, der Cornerstone Church im texanischen San Antonio. Früher löste der Fernsehprediger Hagee, dessen Einfluss weit über San Antonio hinausreicht, mit seiner Interpretation von Bibelzitaten über das Gelobte Land Stürme der Entrüstung aus. Ende der Neunziger behauptete er, Gott habe den Holocaust geschehen lassen, „weil Gott sagte, es ist meine höchste Priorität für das jüdische Volk, dass es heimkehrt in das Land Israel“. Hitler, so Hagee, habe die Juden in göttlichem Auftrag nach Palästina vertrieben.

Als Gründer der mächtigen Organisation „Vereinigte Christen für Israel“ mit über zwei Millionen Mitgliedern warb Hagee schon für den Botschaftsumzug von Tel Aviv nach Jerusalem, als noch keiner mit einem Präsidenten Trump im Weißen Haus rechnete. Auch um sich Hagees Rückendeckung zu sichern, versprach Trump im Wahlkampf, Jerusalem noch vor einer Friedensregelung als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Überhaupt fuhr er damit ein wichtiges Manöver, um evangelikale Christen für sich einzunehmen.

Rund 80 Prozent der weißen evangelikalen Wähler entschieden sich bei der Präsidentschaftswahl 2016 für Trump. Mit dem Botschaftsumzug löst er ein Versprechen ein, das auf ihrer Agenda weit oben rangiert.

Amerikanische Juden dagegen, das ergab eine Umfrage des American Jewish Committee, sprachen sich vor wenigen Monaten mit 68 Prozent dagegen aus, die diplomatische Vertretung ihres Landes zu verlegen.

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