Tsvangirai nach Unfall in Botsuana

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Deutsche Presse-Agentur

Die britische Regierung schloss nach bisherigem Kenntnisstand ein Attentat aus. Dennoch erhob Tsvangirais Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) schwere Vorwürfe gegen die Behörden. Sie kündigte eine eigene Untersuchung parallel zu denen der Polizei an und warf ihr schwere Unterlassung vor, weil Tsvangirais Konvoi keine Eskorte hatte.

Bei dem Unfall am Freitag war Tsvangirais Frau Susan (50) tödlich verletzt worden, der Ministerpräsident (56) selbst hatte schwere Verletzungen erlitten. Sein mit zwei Sicherheitsautos im Konvoi fahrender Wagen war nach bisherigen Informationen am Freitag etwa 60 Kilometer außerhalb der Hauptstadt Harare von einem Lastwagen mit schleuderndem Anhänger von der Straße gedrängt worden und hatte sich mehrfach überschlagen. Der Lastwagen habe einer britisch- amerikanischen Organisation gehört, teilte das britische Außenministerium mit. „Alles deutet darauf hin, dass es sich um einen wirklichen Unfall gehandelt hat“, sagte eine Sprecherin.

Tsvangirai wurde zunächst in Harare behandelt und am Samstagabend in den Nachbarstaat Botsuana ausgeflogen. Dessen Präsident Ian Khama - ein enger Verbündeter - hatte einen Privatjet geschickt, weil er sich nach MDC-Angaben Sorgen um die Sicherheit des Unfallopfers machte. Zum Begräbnis seiner Frau will Tsvangirai aber zurückkehren. Mehrere Regierungen sprachen ihm mit Blick auf den Verlust seiner Frau ihr Beileid aus und hofften, der Unfall werde den politischen Aussöhnungsprozess in Simbabwe nicht belasten.

Dort betonte der MDC-Generalsekretär und neue Finanzminister Tendai Biti: „Hätte es eine Polizeieskorte gegeben, hätte das, was gestern passiert ist, eventuell vermieden werden können. ... Der Unfall war ein Desaster für uns alle.“ Der MDC-Sprecher in Südafrika, Sibanengi Dube, verdächtigte Gefolgsleute von Präsident Robert Mugabe, Tsvangirais langjährigen politischen Widersacher, offen eines gezielten Anschlags. Der langjährige Oppositionsführer hatte nach monatelangen Verhandlungen einer Koalitionsregierung mit Mugabes ZANU(PF)-Partei zugestimmt und war vor drei Wochen vereidigt worden.

Mugabe (85), der Tsvangirai wenige Stunden nach dessen Unfall am Krankenbett besucht hatte, machte aber stets deutlich, dass er weiter die Zügel in der Hand hält. Simbabwe befindet sich in der schwersten Krise seiner Geschichte mit Massenarmut und einer Hyperinflation. Hinzu kommt eine Cholera-Epidemie, die wegen des Zusammenbruchs des öffentlichen Dienstes immer weiter um sich greift. Bislang sind daran rund 4000 Menschen gestorben, gut 88000 sind erkrankt.

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