Trumps Irrsinn stärkt nur den IS

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Trumps Irrsinn stärkt nur den IS
Trumps Irrsinn stärkt nur den IS (Foto: Roland Rasemann)
LudgerMöllers

Die Forderung aus Bagdad nach einem Rückzug der US-Truppen und ihrer Verbündeten, im Gegenzug aus Washington die Androhung von Sanktionen gegen den ohnehin wankenden Irak: Nicht nur der Konflikt zwischen den USA und Iran droht zu eskalieren, derartige Ankündigungen könnten den gesamten Nahen Osten destabilisieren.

Denn der Abzug der Koalition würde der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) regional erneut jene Freiräume schaffen, aus denen sie gerade mühsam vertrieben wurden. Dies wüssten die Dschihadisten sofort für ihre blutigen Ziele zu nutzen: Zwar mag der IS militärisch besiegt sein, aber die Kämpfer sind nach wie vor aktiv und lassen sich aus dem Stand re-aktivieren.

Die US-Sanktionen würden nicht die Regierenden, sondern die ohnehin von 40 Jahren Krieg gezeichneten Menschen im Irak treffen. Zur Erinnerung: Die fast totale Wirtschaftsblockade des Irak nach dem Überfall auf Kuwait im Jahr 1990 führte zwischen 1991 und 2002 zum Tod von 345 000 bis 530 000 irakischen Kindern.

Junge Leute würden sich radikalisieren und dem IS anschließen. Besser ließe sich eine Rekrutierungsaktion gar nicht konzipieren, freuen sich die IS-Terrorfürsten bereits.

Jetzt rächt sich, dass Europa keine nennenswerten eigenen und vor allem keine wirksamen gemeinsamen außenpolitischen Aktivitäten entfalten will. Wenn Außenminister Heiko Maas (SPD) richtig feststellt, dass die eigenen Sicherheitsinteressen Europas massiv betroffen sind, ist ihm nicht zu widersprechen. Doch allein mit der Kraft der Argumente und durch Gespräche mit den USA und Iran kann Europa wenig dazu beitragen, dass es im Irak keinen Stellvertreterkrieg anderer Länder gibt.

Wichtig ist jetzt der schnelle, gemeinsame Widerstand gegen die Pläne von US-Präsident Donald Trump. Trump hat schon nicht die direkten Konsequenzen aus der Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani umrissen. Die Konsequenzen der Sanktionen, die er jetzt androht, überblickt er noch weniger: Damit stärkt er Iran und den IS.

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