Trump ist ein Feind des alten Kontinents

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US-Präsident Donald Trump und US-First Lady Melania Trump in Windsor Castle in Windsor bei Queen Elizabeth II.
US-Präsident Donald Trump und US-First Lady Melania Trump in Windsor Castle in Windsor bei Queen Elizabeth II. (Foto: AFP)
Sebastian Borger

Donald Trump wünscht sich einen anderen britischen Premierminister. Anders lässt sich die diplomatische Ungeheuerlichkeit nicht erklären, die der amerikanische Präsident mit seinem offenherzigen Zeitungsinterview beging. Rechtzeitig zu seinem Arbeitsbesuch in Großbritannien teilte der Berserker im Weißen Haus den Briten und deren jetziger Regierungs-chefin Theresa May mit: Die gerade erst mühsam im konservativen Kabinett vereinbarte Brexit-Politik ist falsch, der versprochene Freihandelsvertrag mit den USA sei somit vom Tisch.

Wie schon beim Nato-Gipfel nutzt Trump jede Gelegenheit dazu, die engsten Verbündeten seines Landes öffentlich zu demütigen. Alle anschließenden Beteuerungen von den „sehr, sehr engen“ Beziehungen zu Großbritannien und zu May persönlich sollten nicht darüber hinwegtäuschen. In Brüssel stand Deutschland im Mittelpunkt seiner Angriffe. Ob es wirklich Zufall ist, dass beide Länder von Frauen regiert werden? Trumps Verachtung für demokratisch gewählte Politikerinnen erstreckt sich jedenfalls nicht auf einen männlichen Tyrannen wie Nordkoreas Kim Jong-un oder den chinesischen Präsidenten Xi Jinping.

Trumps Bewunderung für Brexit-Vorkämpfer wie Nigel Farage, den er am liebsten zum britischen Botschafter in Washington gemacht hätte, sowie für den jüngst als Außenminister zurückgetretenen Boris Johnson („Er würde einen großartigen Premierminister abgeben“) repräsentiert „Wahnsinn mit Methode“. Der von Johnson herbeigeredete Katastrophen-Brexit, also der Austritt Großbritanniens ohne jegliche Vereinbarung mit dem Brüsseler Club, wäre für den Kontinent wirtschaftlich schlimm, für Großbritannien aber verheerend.

Dass Trump solcherlei Verantwortungslosigkeit unterstützt, lässt tief blicken. Der amerikanische Präsident glaubt offenbar, dass der wirtschaftliche und soziale Niedergang der Brexit-Insel und ihrer wichtigsten Handelspartner im amerikanischen Interesse liegt. Damit hat er allerdings unrecht. Und viel schlimmer: Er entpuppt sich als Feind des alten Kontinents.

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