Trump droht Assad mit Konsequenzen bei Chemiewaffeneinsatz

Lesedauer: 6 Min
 Erste Angriffswelle in Muhambal, 30 Kilometer südwestlich von Idlib. Der Kreml versuchte, die ersten Militäreinsätze seines Lan
Erste Angriffswelle in Muhambal, 30 Kilometer südwestlich von Idlib. Der Kreml versuchte, die ersten Militäreinsätze seines Landes in Syrien seit mehr als drei Wochen zu rechtfertigen. (Foto: AFP)
Michael Wrase
Redakteur

Trotz Warnungen von US-Präsident Donald Trump hat die russische Luftwaffe die Offensive auf die syrische Rebellenhochburg Idlib eingeleitet. Russland und Iran betonen, dass Extremistengruppen in Idlib besiegt werden müssten. Es wird erwartet, dass beide Länder die syrischen Regierungstruppen bei einer Offensive unterstützen.

Russen und Iraner würden „einen schwerwiegenden humanitären Fehler machen“, wenn sie „bei dieser möglichen menschlichen Tragödie mitmachen“, hatte Trump in der Nacht zum Dienstag gewarnt. „Hunderttausende könnten getötet werden“, schrieb Trump: „Lasst das nicht zu.“ Das Weiße Haus hat den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad vor einem Chemiewaffeneinsatz gewarnt und in einem solchen Fall mit Konsequenzen gedroht. Falls Assad erneut Chemiewaffen einsetzen sollte, würden die USA und ihre Verbündeten darauf schnell und „in angemessener Weise“ reagieren, erklärte eine Sprecherin von Trump.

13 Zivilisten getötet

Russische Kampfflugzeuge hatten am Dienstag bereits eine erste Angriffswelle auf Gebiete im Westen der Rebellenprovinz Idlib sowie in der angrenzenden Provinz Latakia geflogen. Mindestens 40-mal seien Moskaus Bombengeschwader zu Angriffen auf 20 Gebiete Idlibs gestartet, meldete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. 13 Zivilisten, darunter sechs Kinder, seien bei den russischen Angriffen bis zum gestrigen Nachmittag getötet worden, berichtet die den Rebellen nahestehende Zivilschutzorganisation „Weißhelme“.

Die massiven Bombardements seien notwendig, weil Al-Kaida die russischen Militärbasen bei Latakia bedrohe, versuchte Kreml-Sprecher Dimitri Peskow die ersten Militäreinsätze seines Landes in Syrien seit mehr als drei Wochen zu rechtfertigen. Peskow sprach davon, dass sich in der Provinz „das nächste Terroristennest gebildet“ habe. „Wir wissen, dass die syrischen Streitkräfte sich darauf vorbereiten, das Problem zu lösen“, sagte er der Agentur Interfax zufolge. Ein Datum für die Offensive nannte er nicht. Bereits am letzten Freitag hatte Außenminister Sergei Lawrow die Rebellenprovinz Idlib als eine „Eiterbeule“ bezeichnet, die entfernt werden müsse.

Wie dies bewerkstelligt werden soll, ohne eine von der ganzen Welt befürchtete neue humanitäre Katastrophe in Idlib, wo fast drei Millionen Zivilisten Zuflucht gefunden haben, zu verursachen, ließen die Russen offen. Da sich ihre Luftangriffe bisher auf Randgebiete beschränkten und auch die Assad-Armee ihre angedrohte Landoffensive noch nicht begonnen habe, bleibe noch Raum für Verhandlungen mit dem Al-Kaida-Ableger Haiat Tahrir al-Scham (HTS), glauben Beobachter im Libanon.

Die mehr als 10 000 Kämpfer der Dschihadistenorganisation beherrschen seit mehr als drei Jahren weite Teile der Provinz Idlib. Eine von Moskau, Teheran und Damaskus geforderte Kapitulation haben sie bislang abgelehnt. Wie vor zwei Jahren in Aleppo verschanzen sich die Extremisten hinter Zivilisten, die nun erneut zwischen die Fronten zu geraten drohen.

Das Nachbarland Türkei, das im Falle einer Eskalation Flüchtlingsströme in Richtung seiner Grenze befürchtet, brachte einem Medienbericht zufolge weiteres Kriegsgerät in die Grenzregion. Acht Frachtfahrzeuge beladen mit Panzern und schweren Geschützen hätten die Grenzprovinz Kilis passiert, meldete die Zeitung „Hürriyet“ am Dienstag. Allerdings müssten bei einer Offensive die Dschihad-Kämpfer von den Zivilisten getrennt und die Terroristen unschädlich gemacht werden, verlangte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu, ohne freilich zu erklären, wie eine solche Trennung vonstatten gehen soll.

Wie die sich abzeichnende humanitäre Katastrophe im letzten Rückzugsgebiet der syrischen Rebellen vielleicht doch noch abzuwenden ist, wollen die Staatspräsidenten der Türkei, Russlands und Irans am Freitag in Teheran diskutieren. Konkrete Vorschläge zu einer Krisenbewältigung sind bisher jedoch nicht bekannt.

Noch bis vor zwei Jahren hatte die Türkei die in Nord-Syrien kämpfenden Extremistenorganisationen mit Waffen und Munition unterstützt, diese Hilfe nach der verlorenen Schlacht um Aleppo aber weitgehend eingestellt. Vor allem die Dschihadisten um Al-Kaida fühlen sich seither von der Türkei verraten. Eventuelle Zusicherungen aus Ankara dürften bei ihnen auf taube Ohren stoßen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen