„Trump abzuwählen dürfte für viele, die gegen ihn votierten, das Hauptmotiv gewesen sein“

Präsidentschaftswahlen in den USA
07.11.2020, USA, New York: Ein Smartphone zeigt den Live-Stream des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden bei einer Rede in Wilmington, Delaware. (Foto: Wang Ying)
Frank Herrmann
Korrespondent

Joe Biden ist sich treu geblieben, auch auf dem Olymp seiner Karriere. Seine Rede nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses war eine einzige große Versöhnungsgeste. Statt sich im Triumph zu sonnen, reichte er der Verliererseite die Hand, machte Gesprächsangebote über schluchtentiefe politische Gräben hinweg. Wollte man den Auftritt mit einem Symbol charakterisieren, dann wäre es der Olivenzweig.

Die versprochene Heilung klaffender Wunden, das Beschwören des Gemeinsamen anstelle des Trennenden: Das war der Kern der Botschaft, die der Demokrat im Wahlkampf wiederholte. Biden steht für Kompromiss und Regierungserfahrung. Wenn man so will, steht er für die Rückkehr zur alten Ordnung, nicht für den Aufbruch zu neuen Ufern.

Vielleicht gab den Ausschlag, dass eine Mehrheit in Zeiten der Pandemie den Kontrast zu einem Amtsinhaber wählte, der die Krise nicht nur kleinredete, sondern auch jegliches Mitgefühl mit ihren Opfern vermissen ließ.

Vielleicht lag es an den Frauen in den gepflegten Vororten, die Trumps Brechstangenrhetorik, das hässliche Austeilen gegen Kontrahenten, das ständige Verbiegen der Wahrheit bestraften. Vielleicht haben schwarze Amerikaner diesmal in großer Zahl für Biden gestimmt. Eine detaillierte Analyse des Ergebnisses wird Aufschluss geben.

Neuauszählungen haben in der Vergangenheit in aller Regel nur Marginales am Resultat geändert

Eines kann man mit Gewissheit sagen: Es war ein Referendum über Trump, keine Abstimmung über Biden. Trump abzuwählen dürfte für viele, die gegen ihn votierten, das Hauptmotiv gewesen sein. Ob er endlich Größe zeigt und seine Niederlage eingesteht, ist fraglich. Natürlich hat er das Recht, sich juristischer Mittel zu bedienen, um eine Neuauszählung zu verlangen oder Ergebnisse überprüfen zu lassen.

Doch Neuauszählungen haben in der Vergangenheit in aller Regel nur Marginales am Resultat geändert. Und der pauschale Betrugsverdacht, den Trump schürt, ist durch keinerlei Fakten bewiesen. Überzieht er das Land mit einer Klagewelle, für die es keine sachliche Grundlage gibt, bestätigt er nur den Ruf, ein schlechter Verlierer zu sein.

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