Trauer um Aktivposten der Nächstenliebe

 Rudi Löffelsend (1950-2020).
Rudi Löffelsend (1950-2020). (Foto: STEFAN AREND)
Reporter "Seite Drei"

In Kurdistan sprechen die Menschen, die ihn kannten, anerkennend, respektvoll und mit großer Zuneigung vom „Mam Kalau“, vom „Dicken Onkel“: Heute aber trauern sie um Rudi Löffelsend, den Vorsitzenden der Caritas-Flüchtlingshilfe Essen, der in der Nacht auf Montag im Alter von 70 Jahren verstorben ist. Nicht nur im Nordirak herrscht Trauer, denn Tausende verdanken Löffelsend ein besseres, weil menschenwürdiges Leben. Zur „Schwäbischen Zeitung“ und zu ihren Leserinnen und Lesern hatte Löffelsend eine besonders enge Beziehung: Die Spendenaktion „Helfen bringt Freude“ engagiert sich seit 2016 für Projekte in Kurdistan und pflegt eine intensive Zusammenarbeit mit der Caritas-Flüchtlingshilfe. „Wir haben einen sehr guten Freund verloren“, sagt Chefredakteur Hendrik Groth, „in seinem Sinne werden wir die Arbeit für die Menschen in Kurdistan weiterführen.“ Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck würdigte den Verstorbenen als einen „Caritäter mit Leib und Seele, für viele war er das Gesicht der Caritas im Ruhrbistum“, so der Bischof. Den Leitspruch des Verbandes „Not sehen und handeln“ habe Löffelsend zweifellos gelebt.

Löffelsend wuchs in der katholischen Pfadfinderbewegung auf, absolvierte eine Lehre als Schriftsetzer, studierte Sozialpädagogik. Seit 1980 arbeitete er für den Caritasverband der Diözese Essen. Die Caritas im Ruhrbistum war einer der ersten deutschen Verbände, die während des Kriegsrechtes in Polen nach dem 13. Dezember 1981 und in großem Stil dem damals Not leidenden polnischen Volk half. Für Löffelsend war dieses Engagement entscheidend, fortan war die Auslands- und Flüchtlingshilfe sein Herzensanliegen.

Die Zusammenarbeit mit der „Schwäbischen Zeitung“ und der Aktion „Helfen bringt Freude“ begann 2016: Nach dem Vormarsch der islamistischen Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) im Juli 2014 waren 1,8 Millionen Menschen im Nordirak auf der Flucht. Löffelsend erklärte: „Die Dschihadisten des IS führen keinen Krieg gegen eine Armee. Ihr Ziel sind die Zivilisten, sie kennen keine Milde, keine Gnade und schon gar keine Genfer Konvention.“ Zupackend, unkonventionell, ohne Ansehen der Person war Löffelsend mit Improvisations- und Organisationstalent unterwegs. Seither hilft die Caritas mit Unterstützung aus Schwaben christlichen Flüchtlingen aus der Ninive-Ebene, syrischen Bürgerkriegsopfern und Angehörigen der religiösen Minderheit der Jesiden in den Camps Mam Rashan und Sheikhan.

Löffelsend war ein Mensch, der Not sah und dies änderte: Als Zehntausende Flüchtlinge noch im Freien oder in Rohbauten lebten, bat er die Spender der Aktion „Helfen bringt Freude“ um Hilfe: „Für die Flüchtlinge muss schnellstens ein Dach über dem Kopf her.“ Dabei blieb es nicht: Mittlerweile sind Arbeitsplätze, Krankenstationen und Sportplätze entstanden. Kinder haben Chancen auf Bildung, weil sie Schulmaterial bekommen und in Bussen zur Schule fahren. „Rudi Löffelsend war Kopf und Motor gleichzeitig“, würdigt Groth den Verstorbenen, „wir alle haben ein Vorbild an Mitmenschlichkeit und Solidarität verloren.“

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