Tote von Marienburg sollen würdig bestattet werden

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Deutsche Presse-Agentur

Die Gebeine von rund 2000 Menschen, die bei Bauarbeiten im polnischen Marienburg (Malbork) in einem Massengrab entdeckt worden sind, sollen auf einer deutschen Kriegsgräberstätte in Danzig (Gdansk) beigesetzt werden.

„Die Opfer sollen möglichst rasch, würdig und in der Nähe des Fundortes eine letzte Ruhestätte finden, an der ihrer gedacht werden kann“, sagte Reinhard Führer, Präsident des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, der „Berliner Zeitung“.

Nach bisherigen Erkenntnissen wird davon ausgegangen, dass es sich bei den Toten um Deutsche handelt, die am Ende des Zweiten Weltkrieges vermutlich in einem Bombenkrater verscharrt worden waren. Der Volksbund hatte nach Bekanntwerden des Fundes deshalb mit den polnischen Behörden vereinbart, die sterblichen Überreste zu übernehmen. „Die Kooperation mit der polnischen Seite ist sehr eng“, betonte Führer. Er sei sicher, dass die Übernahme in Kürze stattfinden könne.

Der Volksbund habe keine gesicherten Hinweise über die Umstände, unter denen die Männer, Frauen und Kinder offenbar kurz vor Kriegsende ums Leben gekommen waren. Er hoffe aber, dass eine Aufklärung noch möglich sei. „Bei einem Fundort dieses Ausmaßes kann man wohl davon ausgehen, dass es heute noch lebende Zeitzeugen oder sogar Angehörige gibt“, schätzt Führer. Nach Informationen des Deutschen Roten Kreuzes fehlt von 3800 Einwohnern Marienburgs im früheren Ostpreußen seit Kriegsende jede Spur.

Vor der Bestattung wollen Experten des Volksbundes die Schädel und Knochen untersuchen. Führer warnte in diesem Zusammenhang ausdrücklich vor Spekulationen. Da einige der Schädel, darunter auch von Kindern, Einschusslöcher aufweisen, kursierten Theorien, bei den Marienburger Toten könnte es sich um Opfer eines Massakers handeln. „Solche unqualifizierten Mutmaßungen nützen niemandem“, betonte Führer.

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