Stundenlange Blockade und Protest am Kohlekraftwerk Mannheim

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Deutsche Presse-Agentur

Klimaaktivisten vom Bündnis „Ende Gelände“ sind am frühen Samstagmorgen in das Areal des Kohlekraftwerks in Mannheim eingedrungen und haben stundenlang auch die Zufahrt zu dem Meiler blockiert.

Einige waren auf ein Förderband gelangt, um den Kohlenachschub zu einem der Blöcke zu unterbrechen. Man wolle mit der Aktion ein Zeichen setzen gegen den CO2-Ausstoß der Anlage, wie ein Sprecher des Bündnisses der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Laut Polizei blockierten rund 40 Demonstranten den ganzen Tag über das Hauptzufahrtstor und protestierten mit Bannern und Schildern. Weitere etwa zehn Personen hielten sich auf dem Gelände auf. Im Interesse der Sicherheit für die Aktivisten wurde auf eine Räumung verzichtet, sagte der Kraftwerkssprecher. Laut Aktionsbündnis nahmen rund 100 Klima-Aktivisten an dem Protest teil.

Nach Angaben der Polizei waren tagsüber zahlreiche Einsatzkräfte vor Ort. „Die Lage ist friedlich und ruhig“, sagte der Sprecher. Die Polizei sei aber vorbereitet für den Fall, dass sich die Situation verändere oder die Stimmung kippen sollte. So lange die Aktion dauere, blieben die Einsatzkräfte da - notfalls auch die Nacht über.

Am Samstagabend verließen die Aktivsten dann nach rund zwölf Stunden Blockade freiwillig das Gelände, wie die Polizei mitteilte. Es habe beim Abzug der rund 100 Menschen keinerlei Zwischenfälle gegeben. Auch die Abschlusskundgebung in der Innenstadt sei friedlich verlaufen.

Der Steinkohlemeiler sei für etwa acht Prozent der CO2-Emissionen in Baden-Württemberg verantwortlich, hieß es in einer Mitteilung von „Ende Gelände“. Auf Twitter forderte das Bündnis: „Legt das Großkraftwerk Mannheim endlich still!“ Es sei das Steinkohlekraftwerk mit dem höchsten CO2-Ausstoß in Deutschland.

Angesichts der Untätigkeit der Bundesregierung sehe man sich zu solchen Schritten gezwungen, teilte das Aktionsbündnis außerdem mit. „Wenn die deutsche Bundesregierung nicht den sofortigen Kohleausstieg einleitet, verspielen wir unsere Chance, die Erderhitzung auf 1,5 Grad zu beschränken.“ Der Landesverband der Linken solidarisierte sich mit dem Protest. Die Besetzung sei notwendig und richtig, sagte Linken-Politiker Michel Brandt.

Umweltschützer hatten in der Vergangenheit immer wieder den Betrieb des gigantischen Meilers kritisiert, das Kraftwerk als „Klimakiller“ bezeichnet - und vergeblich dagegen geklagt. Betreiber sind die drei Energiekonzerne RWE (Essen), EnBW (Karlsruhe) und MVV (Mannheim). 2015 ging der 1,2 Milliarden teure Block 9 ans Netz. Er hat eine Leistung von knapp 2150 Megawatt.

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