So will die USA eine türkische Intervention in Syrien verhindern

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Thomas Seibert

Istanbul - Offiziell sind sie Todfeinde: Die türkische Regierung betrachtet die syrische Kurdenmiliz YPG als Terrororganisation, die bekämpft werden muss. Doch es könnte sich eine Annäherung anbahnen. Unter Vermittlung der USA, Verbündete der YPG, hat es jetzt indirekte Gespräche zwischen der Türkei und den syrischen Kurden gegeben.

Für die türkische Führung zählen bei ihrem bisher harten Kurs gegen die YPG außen- wie innenpolitische Überlegungen. Die Kurdenmiliz ist der syrische Ableger der PKK und stellt deshalb mit ihrer Präsenz an der türkischen Südgrenze aus Sicht Ankaras eine Bedrohung für das Land dar. Kurz vor der Neuwahl in der Metropole Istanbul am 23. Juni will der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zudem nationalistische Wähler bei der Stange halten. Ein Vorstoß gegen die YPG in Syrien wäre eine der Möglichkeiten, um dieses Ziel zu erreichen, sagte Aykan Erdemir, Türkei-Experte bei der amerikanischen Denkfabrik FDD, der „Schwäbischen Zeitung“ in Istanbul. Im vorigen Jahr hatte Erdogan seine Truppen ins syrische Afrin geschickt und wenig später die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen gewonnen.

Als früherer US-Botschafter in Ankara kennt der amerikanische Syrien-Beauftragte James Jeffrey die türkische Interessenlage genau und setzt alles daran, einen türkischen Einmarsch abzuwenden. Jeffrey organisierte als Vermittler indirekte Kontakte zwischen Ankara und der YPG. Noch ist offen, ob mit den Verhandlungen eine militärische Konfrontation verhindert werden kann. Allein die Tatsache, dass sich die Türkei auf die Gespräche eingelassen hat, zeigt aber, dass Ankara nicht unbedingt auf der Intervention bestehen wird.

Deshalb kommt nun auch wieder Abdullah Öcalan ins Spiel. Der PKK-Chef, der seit 1999 auf der Gefängnisinsel Imrali sitzt, darf nach einer achtjährigen Isolationshaft auf Beschluss der türkischen Regierung wieder regelmäßig mit seinen Anwälten reden. Damit will Ankara vor allem erreichen, dass Öcalan mäßigend auf die YPG einwirkt, die ihn als ihren Anführer betrachtet. In seinem ersten Gespräch mit seinen Anwälten seit dem Jahr 2011 betonte der PKK-Chef kürzlich, die syrischen Kurden sollten die Sicherheitsinteressen der Türkei respektieren und sich vor einer „Kultur des Konfliktes“ hüten.

Annäherung wäre nicht neu

Völlig neu wäre eine Annäherung zwischen der Türkei und der YPG nicht. In den ersten Jahren des Syrien-Krieges unterhielt Ankara gute Beziehungen zu den syrischen Kurden. Damals ging es Erdogan vor allem um eine rasche Entmachtung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Erst die Machtausweitung der syrischen Kurden unter dem Schutz der USA seit 2015 machte die YPG zum türkischen Erzfeind.

Jeffrey möchte einen Krieg zwischen dem Nato-Mitglied Türkei und der YPG nach dem Abzug der US-Truppen aus Syrien verhindern und ein friedliches Nebeneinander von Ankara und syrischen Kurden organisieren. Washington will sich den Milizen-Verband Syrische Demokratische Streitkräfte (SDF), in dem die YPG die Hauptrolle spielt, auch in Zukunft als lokalen Partner erhalten. Er soll verhindern, dass Russland und Iran ihren Einfluss in Syrien ausweiten. Die Türkei soll sich also nach dem Willen der USA mit den syrischen Kurden arrangieren. Wenn Erdogan darauf eingeht, dürfte der türkische Einmarsch nach Syrien erst einmal vom Tisch sein.

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