Seehofer macht Witz über Abschiebung - jetzt ist ein Flüchtling tot

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Digitalredakteur
Agence France-Presse
Deutsche Presse-Agentur

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat die Äußerungen von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) über Abschiebungen an seinem Geburtstag kritisiert.

„Ich finde, so geht man einfach mit Menschen nicht um und so darf Humanität nicht mit Füßen getreten werden“, sagte Ramelow am Mittwoch im Deutschlandfunk. Der Linken-Politiker warf Seehofer vor, er habe sich darüber gefreut, dass an seinem 69. Geburtstag 69 Menschen nach Afghanistan abgeschoben worden seien.

Die umstrittene Äußerungen machte Seehofer am Dienstag bei der Vorstellung seines „Masterplans Migration“. „Ausgerechnet an meinem 69. Geburtstag - das war von mir nicht so bestellt - sind 69 Personen nach Afghanistan zurückgeführt worden“, sagt er. „Das liegt weit über dem, was bisher üblich war.“

Für diese Aussage bekam Seehofer auch vom Koalitionspartner SPD mächtig Gegenwind. Via Twitter schrieb Fraktionsvize Karl Lauterbach: "Dass Seehofer seinen 69 Geburtstag mit 69 Abschiebungen nach Afghanistan feiert, wo einige von ihnen wohl der Tod erwartet, zeigt nur wie fertig er mittlerweile ist. Das ist selbst der CSU nicht würdig."

"Sein Rücktritt ist längst überfällig", twitterte der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert. Einer der 69 Abgeschobenen hat sich, in Kabul angekommen, das Leben genommen. 

Er sei am Dienstag in einer von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zur Verfügung gestellten vorübergehenden Unterkunft in Kabul aufgefunden worden, sagte ein hochrangiger Mitarbeiter des Flüchtlingsministeriums in Kabul der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch.

Der Mann aus der nordafghanischen Provinz Balkh sei 23 Jahre alt gewesen und habe acht Jahre lang in Deutschland gelebt, bevor er abgeschoben worden sei.

69 Tage Aufenthalt in Afghanistan als eine Art Geburtstagsgeschenk wünschte ihm der SPD-Bundestagsabgeordnete Marco Bülow. Denn, so Bülow zynisch, sei dort ja alles sicher.

Ebenfalls hart ins Gericht ging die Politikerin und Autorin Jutta Ditfurth mit Seehofer. Im Hinblick auf den Suizid eines Afghanen schrieb sie: "Deutschland hat einen unmenschlichen Innenminister" und setzte anschließend den Hashtag "Menschenfresser.

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