Sechs Festnahmen in Venezuela

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  Nicolas Maduro (Zweiter von links) während der Parade, bei der Venezuelas Präsident nach Regierungsangaben Ziel eines Anschlag
Nicolas Maduro (Zweiter von links) während der Parade, bei der Venezuelas Präsident nach Regierungsangaben Ziel eines Anschlags wurde . (Foto: dpa)
Klaus Ehringfeldund unseren Agenturen

Nach dem vermeintlichen Anschlag auf Venezuelas linken Staatschef Nicolás Maduro sind nach Behördenangaben sechs Menschen festgenommen worden. Nach Regierungsangaben war Maduro Ziel eines Bombenanschlags, der mit Drohnen während einer Militärparade verübt wurde. Der Staatschef blieb unverletzt.

In einer Ansprache beschuldigte Maduro später den scheidenden kolumbianischen Präsidenten, Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos, und „ultrarechte Kreise“ in Venezuela und den USA der Tat. Der US-Sicherheitsberater John Bolton dementierte eine Beteiligung Washingtons.

Mordanschlag oder ein dramatisch inszenierter Coup eines autokratischen Linksnationalisten, der wegen einer katastrophalen Wirtschaftslage in die Enge getrieben ist? Bei Maduro halten kritische Medien selbst das für möglich. Schließlich ist er besonders gut darin, für die unfassbare politische, soziale und vor allem wirtschaftliche Misere andere verantwortlich zu machen, in die er sein Land manövriert hat. Und die beiden Explosionen bei einer Militärparade in Caracas am Samstagnachmittag eignen sich hervorragend dafür, von der historischen Inflation, der Finanzkrise und der Währungsreform abzulenken, die dem Land bevorsteht.

Zudem überrascht, wie schnell Maduro angeblich Schuldige präsentieren konnte. Der vorgebliche Mordanschlag war kaum drei Stunden vorüber, da trat das vermeintliche Opfer schon im Präsidentenpalast Miraflores vor die Kameras und nannte Täter, Hintermänner und Geldgeber der Tat. „Heute hat man versucht, mich zu töten“, beteuerte der linksnationalistische Präsident während einer halbstündigen Rede. „Ich habe keinen Zweifel, dass die Ultrarechte Venezuelas mit der Ultrarechten Kolumbiens konspiriert hat und Präsident Juan Manuel Santos hinter dem Komplott steckt.“ Zudem befänden sich die Finanziers des Attentats im US-Bundesstaat Florida.

Die Explosionen ereigneten sich bei einem Festakt zu Ehren der Bolivarischen Nationalgarde GNB auf der Avenida Bolívar im Herzen von Caracas. Zwei mit Sprengstoff gespickte Drohnen sollen explodiert sein. TV-Aufnahmen zeigen, wie Maduros Frau Cilia Flores und hohe Regierungsvertreter nach der ersten Explosion ängstlich zum Himmel blicken. Als eine zweite Detonation zu hören ist, schirmen die Sicherheitsleute den Präsidenten und seine Frau hinter schusssicheren Platten ab.

Bekennerschreiben liegt vor

Bei den Detonationen wurden auch sieben Mitglieder der GNB verletzt. Kurz nach den Explosionen stellten einige regierungskritische Medien die offizielle Version infrage und zitierten angebliche Augenzeugen wie Feuerwehrleute, die behaupteten, es habe sich nicht um mit Sprengstoff bestückte Drohnen gehandelt, sondern um die Explosion eines Gastanks in einem der Gebäude an der Avenida Bolívar. Der Theorie der Selbstinszenierung widerspricht aber ein Bekennerschreiben einer abtrünnigen, bisher unbekannten Gruppe Militärs auf, die sich „Nationale Bewegung der T-Shirt-Soldaten“ nennt.

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