Schweigen und genießen: Die Grünen und die K-Frage

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 Die Grünen-Chefs Annalena Baerbock und Robert Habeck.
Die Grünen-Chefs Annalena Baerbock und Robert Habeck. (Foto: dpa)
Deutsche Presse-Agentur
Michael Fischer und Teresa Dapp

Die SPD zerlegt sich selbst. Die CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer gerät ins Schleudern. Die Koalition bebt. Und was machen die Grünen so? Schweigen und genießen. Seit dem Rekordergebnis von 20,5 Prozent bei der Europawahl befindet sich die Partei in einem Höhenflug durch Sphären, die auch die größten Optimisten vor Kurzem noch für unerreichbar gehalten haben.

In zwei der bisher drei Umfragen nach der Europawahl haben die Grünen die Union erstmals als stärkste Kraft abgelöst. In Umfragen unter Jüngeren stehen sie noch viel besser da. Parteichef Robert Habeck ist im Politiker-Ranking des ZDF-„Politbarometers“ die Nummer 1 – knapp vor Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und klar vor Außenminister Heiko Maas (SPD). Mehreren Umfragen zufolge wünschen sich die Deutschen eher Habeck als Kanzler als Kramp-Karrenbauer oder SPD-Vizekanzler Olaf Scholz.

Genau darüber möchte bei den Grünen aber niemand reden. Die Parteichefs Habeck (49) und Annalena Baerbock (38) haben eine Standardantwort auf die wiederkehrende K-Frage parat: „Wir wollen nicht um uns selbst kreisen.“ Das überlasse man lieber anderen Parteien.

Die Grünen und die Doppelspitze

Doch wer wird nun Kanzler oder Kanzlerin? Immerhin ist bei den Grünen die Doppelspitze aus Frau und Mann Standard – auf Wahllisten stehen die ungeraden Plätze den Frauen zu, also auch Platz eins. Einen alleinigen Spitzenkandidaten Habeck, was wegen seiner Beliebtheitswerte wohl naheläge, darf es also bei den Grünen formell nicht geben. In der Partei halten einige Baerbock für besser geeignet. Bisher ist von Konkurrenz zwischen den beiden nichts zu spüren. Die Doppelspitze funktioniere, die Harmonie sei nicht gespielt, berichten Grüne unisono. Kanzlerschaft im Team? „Menschlicher Wille kann alles verändern“, antwortete Baerbock spontan, ergänzte aber sofort: Bisher habe eine Person die Führung übernommen, und es sei jetzt nicht der Plan, das zu ändern.

Die Strategie der Grünen-Spitze ist clever. Den Eindruck von Hochmut vermeiden Habeck und Baerbock so nach außen und vor allem nach innen. Viele Grüne misstrauen Machtpolitikern. Dazu kommt ein gewisses Misstrauen den Umfragewerten gegenüber – denn ganz neu ist die Debatte nicht, es ist nicht der erste Höhenflug. Schon 2011 wurde im Zuge des sensationellen Wahlsiegs der Grünen in Baden-Württemberg, der Winfried Kretschmann zum ersten grünen Ministerpräsidenten machte, über einen Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2013 diskutiert. Als Favorit wurde damals Joschka Fischer gehandelt. Das Thema verschwand schnell wieder.

Trotz alledem: Auch an einen grünen Ministerpräsidenten ausgerechnet im schwarzen Baden-Württemberg hätte lange niemand geglaubt. Aber Kretschmann ist da. Seine Antwort auf die Frage, ob er sich einen grünen Kanzler wünsche, fiel am Freitag knapp aus: „Ja klar.“

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