Schotten bereiten neue Volksabstimmung vor

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Es gehe um „Schottlands Interessen“, sagte Ministerpräsidentin Nicola Sturgeon und kündigte die Vorbereitung einer neuen Volksa
Es gehe um „Schottlands Interessen“, sagte Ministerpräsidentin Nicola Sturgeon und kündigte die Vorbereitung einer neuen Volksabstimmung an. (Foto: AFP)
Schwäbische Zeitung
Sebastian Borger

Wie rasch der beschlossene Brexit das Land verändert, lässt sich am besten an Schottland ablesen. 21 Monate nach dem klaren Votum für den Verbleib im Vereinigten Königreich bereitet die Edinburgher Regionalregierung eine neue Volksabstimmung vor.

Nach einer Kabinettssitzung verkündete Ministerpräsidentin Nicola Sturgeon am Wochenende nicht nur die Einleitung des entsprechenden Gesetzgebungsverfahrens. Sie will auch ein Expertengremium um sich versammeln und mit der EU direkt verhandeln. Es gehe um „Schottlands Interessen“, betonte die Vorsitzende der Nationalpartei SNP am Sonntag im BBC-Interview. „Wir befinden uns auf unbekanntem Terrain.“

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 62 Prozent der Wähler im nördlichen Landesteil Großbritanniens haben beim EU-Referendum pro Europa gestimmt, in jedem einzelnen der 32 schottischen Wahlkreise waren die Europa-Freunde in der Mehrheit. „Demokratisch unakzeptabel” sei es, sagt Sturgeon, dass der Norden des Landes gegen seinen Willen aus der EU gezwungen werden soll. Das Parlament in Edinburgh werde dem Brexit gewiss nicht das Plazet erteilen. Freilich sind Außen- und Verteidigungspolitik Großbritanniens Sache der Zentralregierung, ein Votum des Landtages hätte keinen bindenden Charakter.

Von Brüssels Verhalten gegenüber Edinburgh dürfte abhängen, ob Schottland tatsächlich die mehr als 300 Jahre alte Union mit England verlässt. Im Vorfeld der Abstimmung im September 2014 hatte die EU den Nationalisten noch die kalte Schulter gezeigt, aus Solidarität mit London und aus Sorge vor Nachahmungstätern wie Katalonien. Jetzt, da Großbritannien die Gemeinschaft aufgekündigt hat, dürfte die Stimmung freundlicher sein – zumal die EU-Verantwortlichen nach Druckmitteln suchen, um London zu raschen Verhandlungen zu bringen.

Diesmal sind auch bisherige Skeptiker der Unabhängigkeit auf Sturgeons Seite. Die weltberühmte Autorin der Harry-Potter-Bücher, Joanne Rowling, hatte 2014 den Unionsbefürwortern noch eine Million Pfund gespendet. Man dürfe sie deshalb aber nicht dauerhaft als Gegner der Unabhängigkeit ihrer neuen Heimat verbuchen, teilte die gebürtige Engländerin im sozialen Netzwerk Twitter mit. Kurz und bündig beurteilt Kenneth Roy von der Kultur-Webseite Scottish Review die neue Situation: “Großbritannien ist am Ende.” Die nächste Volksabstimmung werde in den nächsten zwei Jahren kommen.

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