Schnelligkeit vor Gründlichkeit

Schnelligkeit vor Gründlichkeit
Schnelligkeit vor Gründlichkeit
FinnMayer-Kuckuk

Es gibt Situationen, in denen kann es die Politik keinem recht machen. Der Betrug mit Schnelltests zeigt exemplarisch das Dilemma der Verantwortlichen. Denn wasserdichtes Verwaltungshandeln dauert lange, und schnelles Verwaltungshandeln ist betrugsanfällig. Wenn es schnell gehen soll, kommen daher nur vergleichsweise riskante Varianten infrage.

Gesundheitsminister Spahn wollte die kostenlosen Tests aus gutem Grund zügig anbieten. Sie sind ein wirksames Instrument, um das Infektionsgeschehen unter Kontrolle zu bringen. Nur Tests machen es möglich, Geschäfte trotz Seuche zu öffnen. Im Kern ist die Strategie auch durchaus erfolgreich.

Das Dilemma bei der Umsetzung ähnelt nun dem bei der Auszahlung von Corona-Hilfen für Unternehmen. Die deutsche Verwaltung könnte einen Missbrauch der öffentlichen Mittel zwar weitgehend verhindern. Dazu müsste sie nach dem Vorbild bewährter Abläufe einen sicheren Prozess zur Auszahlung der Mittel einführen. Dafür ist allerdings ein längerer zeitlicher Vorlauf notwendig. Nachweis- und Berichtspflichten brauchen Formulare, Stempel und Personal. Bleibt die Alternative einer schnellen Einführung, bei der die Behörden einfach keine Fragen stellen.

Da viel Geld fließt, appelliert diese Methode an das Gewinnstreben von Geschäftsleuten. Das Ergebnis im Fall der Bürgertests: Die Einführung klappte so rasend schnell, wie nur der reale Kapitalismus eine Idee in die Praxis bringen kann. Leider schufen genau die gleichen Mechanismen auch große Versuchungen für Betrügereien.

Spahn reagiert nun wie immer arrogant auf die Kritik. Das macht keinen guten Eindruck. Doch tatsächlich ist es ihm gelungen, bei der Teststrategie innerhalb eines Monats von null auf hundert zu beschleunigen. Die Lösung, erst mal wild drauflos zu testen und hinterher nachzubessern, wirkt dabei nur wenig „deutsch“, erinnert eher an dynamischere Gesellschaften und lädt zu Kritik ein. Für Spahn hat es daher Mut erfordert, sich in einer unsicheren Lage für die schnelle Lösung zu entscheiden.

Mehr zum Thema

Wir haben die allgemeine Kommentarfunktion unter unseren Texten abgeschaltet. Für einzelne Texte wird es auch weiterhin die Möglichkeit zum Austausch geben. Aufgrund der Vielzahl an Kommentaren können wir derzeit aber keine gründliche Moderation mehr gewährleisten. Mehr Informationen zu unseren Beweggründen finden Sie hier.
Kommentare werden geladen

Meist gelesen

Helga Reichert hatte die Intendanz der BIberacher Filmfestspiele 2019 übernommen, sich mit dem Trägerverein überworfen und baut

Krach beim Biberacher Filmfest: Alte Intendantin gründet neues Festival in Ravensburg

Oberschwaben wird in diesem Herbst gleich zwei große Filmfestivals erleben: Vom 2. bis 7. November gibt es die 43. Auflage der traditionsreichen Biberacher Filmfestspiele, und bereits davor – vom 21. bis 24. Oktober – findet die Premiere der Filmtage Oberschwaben in Ravensburg statt.

Was alle Cineasten in der Region freuen dürfte, ist das Ergebnis eines monatelangen Konflikts hinter den Kulissen der Biberacher Filmfestspiele.

Bis zum vorigen Jahr schien die Filmfestwelt in Biberach in Ordnung: Helga Reichert hatte als ...

Impftermin-Ampel: Jetzt mit Push-Nachrichten für Ihr Impfzentrum

Die Impftermin-Ampel von Schwäbische.de zeigt mit einem Ampelsystem Impfzentren der Region an, in denen es gerade freie Termine gibt. 

+++ JETZT NEU: Nutzer mit einem Schwäbische Plus Basic, Premium- oder Komplettabo können sich nun exklusiv und noch schneller per Pushnachricht aufs Handy über freie Termine bei Ihrem Wunsch-Impfzentrum informieren lassen. Hier geht es direkt zum Push-Service, Abonnenten können ihn sofort nutzen.

Nutzer ohne Abo können weiterhin die bestehende Impfampel auf dieser Seite hier nutzen.

Der Busfahrer Nexhmedin Pllana hat am Donnerstagnachmittag Kinder aus einem brennenden Fahrzeug gerettet. Die Brandursache ist n

Wie dieser Schulbusfahrer zehn Kindern das Leben rettete

Es sind nur fünf Minuten gewesen, die beim Kressbronner Schulbusbrand über Leben und Tod entschieden haben. Als Busfahrer Nexhmedin Pllana am Donnerstagnachmittag kurz nach der Ortsausfahrt Kressbronn der Rauchgeruch in die Nase steigt, ist ihm klar, dass er nicht viel Zeit hat.

Fünf Minuten. Dass es am Ende wirklich so wenig sein wird, weiß er da noch nicht. Pllana nimmt hinten im Bus leichten weißen Rauch wahr. Er hält auf der viel befahrenen Straße sofort an.

Mehr Themen