Saudische Frauen sind nun etwas gleichberechtigter

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Saudische Frauen über 21 dürfen erstmals alleine reisen.
Saudische Frauen über 21 dürfen erstmals alleine reisen. (Foto: dpa)
Thomas Seibert

Per Federstrich hat König Salman von Saudi-Arabien die Rechte der Frauen in dem erzkonservativen islamischen Land gestärkt. Frauen dürfen demnach ohne Zustimmung eines männlichen Vormunds einen Pass beantragen und alleine reisen. Saudische Frauen feierten die am Freitag veröffentlichten Dekrete des Königs als weiteren historischen Meilenstein ein Jahr nach der Einführung des Führerscheins für Frauen. Die Reform hat aber auch das Ziel, das ramponierte Image Saudi-Arabiens aufzupolieren.

Frauenrechtlerinnen protestieren seit Jahren gegen das Vormundsystem, das saudische Frauen in vielen Lebensbereichen von ihren Männern, Vätern und in manchen Fällen auch Söhnen abhängig und zu Bürgern zweiter Klasse macht. König Salmans Dekrete vom Freitag beziehen sich auf alle Bürger im Alter von über 21 Jahren, ohne zwischen Frauen und Männern zu unterscheiden: ein Signal der Gleichstellung. Die Reform ist Teil der Agenda von Kronprinz Mohammed bin Salman, genannt MBS. Der 33-jährige Thronfolger will das Land in die Moderne führen und unabhängig von Öleinnahmen machen. Er beharrt aber darauf, dass alle Veränderungen vom Königshaus ausgehen – Initiativen der Zivilgesellschaft sind ausgeschlossen.

Vormundsysten bleibt bestehen

Laut den Erlassen können Frauen künftig nicht nur alleine reisen, sondern auch die Geburt ihrer Kinder anmelden sowie eine Eheschließung oder eine Scheidung bei den Behörden eintragen lassen, ohne dass ein Mann zustimmen muss. Auch auf dem Arbeitsmarkt sollen Frauen gleichberechtigt sein.

Das Vormundsystem wird aber nicht ganz abgeschafft. So brauchen Frauen die Erlaubnis eines Mannes, um zu heiraten oder alleine in einer Wohnung zu leben. Auch können weibliche Häftlinge nach Verbüßung einer Strafe nur dann aus dem Gefängnis entlassen werden, wenn ein männlicher Verwandter zustimmt.

Dennoch jubeln die Frauen. Muna Abu Sulayman, eine Geschäftsfrau und Ex-Fernsehmoderatorin mit einer halben Million Twitter-Anhängern, nannte die Reformen „historisch“. Die neuen Regeln zeigten, was bei einer modernen Auslegung der islamischen Rechtsordnung Scharia alles möglich sei. Die saudische Botschafterin in den USA, Prinzessin Reema Bandar al-Saud, twitterte, die Dekrete ermöglichten „echte Veränderungen“ für saudische Frauen.

Die Reformen sind auch eine Reaktion auf Negativ-Schlagzeilen über Saudi-Arabien. Anfang des Jahres sorgte der Fall der 18-jährigen Rahaf al-Qunun für Schlagzeilen. Sie war vor ihrer Familie geflohen und bat in der thailändischen Hauptstadt Bangkok um Hilfe. Die junge Frau erhielt schließlich Asyl in Kanada.

Die Dekrete bedeuten keine Kursänderung des Regimes im Umgang mit der Zivilgesellschaft. Kurz vor Gewährung der Führerscheine für Frauen im Juni 2018 waren Feministinnen inhaftiert worden: MBS wollte zeigen, dass das Herrscherhaus entscheidet, was sich verändert

So erfuhr die prominente Frauenrechtlerin Loujain al-Hathloul von dem Schlag gegen das Vormundsystem im Gefängnis, wo sie ihren 30. Geburtstag erlebte: Sie sitzt seit mehr als einem Jahr hinter Gittern. Nach eigenen Angaben wurde sie gefoltert.

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