RKI schlägt Alarm: Lage in Deutschland wieder „besorgniserregend“

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Lothar Wieler
Das Robert-Koch-Institut hat sich bei einer Pressekonferenz am Dienstagmorgen betont kritisch zur aktuellen Entwicklung der Corona-Fallzahlen in Deutschland geäußert. (Foto: Markus Schreiber / DPA)
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Das Robert-Koch-Institut hat sich bei einer Pressekonferenz am Dienstagmorgen betont kritisch zur aktuellen Entwicklung der Corona-Fallzahlen in Deutschland geäußert. Die Zahlen bereiteten "große Sorgen", erklärte RKI-Leiter Lothar Wieler und stellte ernüchtert fest: "Wir hatten es doch schon geschafft!"

Reiserückkehrer nicht das Hauptproblem

Bis vor einiger Zeit habe man es geschafft, die Fallzahlen stabil bei täglich neu gemeldeten 300 bis 500 Fällen zu halten, so der RKI-Chef. Am Freitag waren es dann aber 815 Neuinfektionen, am Samstag mehr als 700 und am Dienstag mehr als 600. Nach Wochenenden fallen die Zahlen aufgrund der technischen Übermittlung zunächst stets geringer aus.

Der Anstieg der Fallzahlen sei nicht mehr lokal eingrenzbar, sondern deutschlandweit festzustellen. Das sei eine besorgniserregende Entwicklung, so RKI-Expertin Ute Rexroth weiter. Aus diesem Grund sei für Dienstag die Pressekonferenz des RKI einberufen worden. 

Die Infektionen beträfen zahlreiche Gemeinden über das gesamte Bundesgebiet verteilt, die Lage sei diffus und deshalb so gefährlich. 

Auch wenn Reiserückkehrer eine Rolle spielten, gingen die meisten Infektionen in erster Linie auf Infektionen innerhalb Deutschlands zurück. Zu Übertragungen komme es "wirklich überall", betont Rexroth und zählt Familienfeiern, Treffen mit Freunden, den Arbeitsplatz, Gemeinschaftsunterkünfte, Altenheimen und Einrichtungen des Gesundheitswesens auf. In Letzteren seien schwere Verläufe zu erwarten.

Diese neue Lage könnte erneut außer Kontrolle geraten, was es zu verhindern gelte, mahnt RKI-Chef Wieler an. Dazu müsste aber die gesamte Bevölkerung wieder an einem Strang ziehen.

Schwindendes Gefahrenbewusstsein in der Bevölkerung

Doch neueste Studien zeigten, dass der Gefahr durch das Coronavirus in Deutschland nicht mehr die nötige Aufmerksamkeit und das nötige Gefahrenbewusstsein geschenkt werde. Zu Tausenden wilde Partys zu feiern, sei "rücksichtlos" und auch "fahrlässig", so Wieler. 

Wieler mahnte eindringlich, sich unbedingt wieder diszipliniert an die Hygiene-Maßnahmen, die Abstandspflicht und das Tragen von Mundschutz zu halten. "Wir haben es in Deutschland selbst in der Hand, wie sich die Pandemie entwickelt."

In Deutschland hatte man das Coronavirus in den ersten Monaten der Pandemie sehr erfolgreich eingedämmt und damit im internationalen Vergleich eine Sonderstellung erarbeitet und dafür auch Opfer gebracht, so Wieler. Dieser Vorsprung drohe nun, verspielt zu werden. 

Wieler betonte: Ob es sich um den Beginn einer möglichen zweiten Welle handle, könne man nicht wissen - aber es könne sein.

RKI fordert klare Regeln für Schulöffnung

Wieler ging auch auf die Urlaubszeit ein und betonte, dass ein erster Schritt zur Prävention auch das eigene Verhalten im Urlaubsland sei. Auch hier solle man sich zwingend an die gängigen Maßnahmen halten.

Für die Schulöffnungen nach den Sommerferien stellt Wieler klare Forderungen. Die Schulen wieder zu öffnen sei sinnvoll, aber nur "unter bestimmten Regeln", so der RKI-Leiter. Man fordere klare Konzepte, um das Vermischen verschiedenen Gruppen von Schülerinnen und Schülern zu vermeiden. 

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