Ressourcenraub: Strand ohne Sand

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 Strände wie dieser in der Nähe der Stadt Mohammedia in Marokko werden von der Sandmafia illegal abgebaut.
Strände wie dieser in der Nähe der Stadt Mohammedia in Marokko werden von der Sandmafia illegal abgebaut. (Foto: AFP)
Schwäbische Zeitung

Sand ist eine begehrte Ressource. Nach dem Wasser wird weltweit kein Rohstoff öfter gehandelt. 40 bis 50 Milliarden Tonnen werden laut einer Studie des UN-Umweltprogramms Unep vom 7. Mai 2019 jedes Jahr verkauft. Die Ressource Sand wird daher mancherorts knapp. „Wir verbrauchen unser Sand-Budget viel schneller, als wir es produzieren können“, sagt die ehemalige Leiterin der Unep Joyce Msuya.

Sand ist begehrt, weil er für die Herstellung von Beton benötigt wird. Den wiederum braucht die Bauindustrie in Massen. Massen an Sand gibt es auch in Wüsten. Der ist aber unbrauchbar für die Betonherstellung. Denn Sandkörner aus Wüsten sind vom Wind so rund und glatt geschliffen, dass sie nicht aneinander haften. Bausand muss aus ungleich geschliffenen Körnern bestehen. Diese Art Sand ist nicht in der gleichen Menge wie Wüstensand verfügbar. Das hat gravierende Auswirkungen, sagen die Autoren der Unep-Studie. In nordafrikanischen Ländern wie Marokko und Tunesien verschwinden ganze Strände in kürzester Zeit. Illegal abgebaut von gut organisierten Kriminellen, bekannt als Sand-Mafia. Es gibt sie auch in Indien. Der Bundesstaat Madhya Pradesch und seine sandreichen Flüsse sind besonders betroffen. Experten sprechen von einem Sandkrieg inklusive extremer Gewalt. Im April 2015 wurde ein Polizist von einem illegalen Muldenkipper voller Sand überfahren und getötet. Solch brutale Zwischenfälle gibt es bis heute.

Weitere Länder sind betroffen. Malaysia hat den Export von Meersand verboten. Kambodscha und Indonesien haben ihn vorerst gestoppt. „Der Sand aus diesen Staaten landet nicht in Deutschland“, sagt die Pressesprecherin des Bundesverbandes mineralischer Rohstoffe Gabriela Schulze. Die billigste Tonne Sand koste zirka drei Euro. Große Transportkosten würden den Preis vervielfachen. Daher würden längere Transporte selbst innerhalb Deutschlands möglichst vermieden. „Das Problem ist, dass in anderen Ländern kaum Regelungen für den Abbau existieren“, sagt Schulze. Die Bildung mafiöser Strukturen sei daher eine natürliche Entwicklung. (jasc)

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