Rätselraten um Raketenangriff auf syrische Militärbasis

Lesedauer: 4 Min

Das Bild soll Kinder zeigen, die nach dem Giftgas-Angriff auf Duma ein Beatmungsgerät vor den Mund halten.
Das Bild soll Kinder zeigen, die nach dem Giftgas-Angriff auf Duma ein Beatmungsgerät vor den Mund halten. (Foto: Weisshelme/dpa)
Schwäbische Zeitung
Michael Wrase

Die erste Meldung kam aus dem Libanon. Das Beiruter Verteidigungsministerium gab den Angriff auf die syrische Militärbasis T4 bekannt – und ergänzte: Gegen 3.40 Uhr Ortszeit seien an der Grenze zu Syrien zwei israelische F-15 Kampfflugzeuge beim Abfeuern mehrerer Raketen beobachtet worden. Acht Projektile seien es gewesen, präzisierte sechs Stunden später das russische Verteidigungsministerium, das Israel für die Angriffe verantwortlich machte. Dort wollte man die Bombardements nicht kommentieren. Zuvor hatten auch Frankreich und die USA eine Verwicklung in die Angriffe bestritten.

Bis zu 14 iranische Soldaten könnten auf „T4“ getötet worden sein, berichtet das regierungsnahe syrische Nachrichtenportal „Al Masdar News“. Bereits im Februar hatte die israelische Luftwaffe den Stützpunkt bombardiert. Dabei hatte die syrische Flugabwehr ein israelisches F-16 Kampfflugzeug abgeschossen. Westliche Diplomaten im Libanon gehen davon aus, dass sich der mutmaßliche Angriff der Israelis gegen die „iranischen Aktivitäten auf den Luftwaffenstützpunkt“ richtete. Laut „Süddeutscher Zeitung“ waren auf dem Stützpunkt offenbar auch Kämpfer der radikalen schiitischen Hisbollah-Miliz stationiert. Mit den am Sonntag gemeldeten Giftgasattacken in der Stadt Duma, bei denen mindestens 60 Menschen ums Leben gekommen sein sollen, hätten die Angriffe demnach vermutlich nichts zu tun. Eher könnten sie damit zusammenhängen, dass sich Israel in Syrien auf sich allein gestellt fühlt. US-Präsident Donald Trump hatte vor zwei Wochen einen Truppenabzug angedeutet und „andere“ aufgefordert, den „Job“ zu machen. Damit könnte Trump Israel gemeint haben.

Experten der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) haben indes mit der Untersuchung des mutmaßlichen Giftgas-Angriff in der Rebellenhochburg Duma begonnen. Man werde alle verfügbaren Informationen über die Attacke zusammentragen, teilte ein OPCW-Sprecher mit. Die USA, Frankreich und Deutschland vermuten die syrische Regierung hinter dem Angriff. Nach russischen Angaben handelt es sich bei dem Giftgas-Angriff hingegen um eine „Inszenierung“ der Rebellen. Experten seien vor Ort gewesen und hätten keine Chlorgas-Spuren gefunden, behauptete der russische Außenminister Sergej Lawrow.

Die Motive für den mutmaßlichen C-Waffen-Angriff erscheinen unklar. Das russische Verteidigungsministerium hatte sich schon am vergangenen Mittwoch mit den Rebellen der „Armee des Islam“ auf eine Evakuierung Dumas verständigt, die auch am Montag fortgesetzt wurde. Nur am Wochenende waren Kämpfe aufgeflammt, weil einige Rebellen den aussichtslosen Kampf fortsetzten. Dass dabei Giftgas eingesetzt wurde, ist vorstellbar, macht aber militärisch keinen Sinn, da die Schlacht um Duma bereits entschieden war.

Dass die Rebellen der „Armee des Islam“ kriminelle Energie besitzen, wurde am Montag deutlich. Laut syrischen Menschenrechtsbeobachtern stürmten Tausende ausgehungerter Einwohner von Duma die Lebensmitteldepots der „Armee“. Hunderte Tonnen Grundnahrungsmittel, die der Bevölkerung monatelang vorenthalten oder zu Wucherpreisen verkauft worden waren, seien erbeutet und verteilt worden.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen