Lauterbach, Drosten und Wieler: Warnung vor einer Verharmlosung von Omikron

Digital-Redakteur

Auf einer Pressekonferenz haben sich Gesundheitsminister Lauterbach, RKI-Chef Lothar Wieler und Virologe Christian Drosten zur aktuellen Corona-Lage geäußert. Vor allem der Umgang mit der Omikron-Variante war Thema.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) warnte vor allem vor der Omikron-Variante. Diese werde jetzt dominant. "Wir kommen jetzt in ein schwieriges Fahrwasser. Krankenhäuser und Labore werden an die Belastungsgrenze kommen."

Glücklicherweise zeigten die beschlossenen Maßnahmen Wirkung, so der Gesundheitsminister. Insbesondere die 2G- und die 2G-Plus-Regel würden demnach dazu beitragen, dass die Verdopplungszeit der Omikron-Variante gestreckt würde.

Aktuell verdoppeln sich laut Lauterbach die Omikronfälle alle sechseinhalb Tage. Vor einer Woche sei das noch alle viereinhalb Tage der Fall gewesen. „Wir haben aktuell in Deutschland etwa 50 Prozent so viele Kontakte wie vor der Pandemie“, sagte Lauterbach.

Lauterbach warnt vor Verharmlosung von Omikron

Das helfe, um aus der Omikron-Wand einen Hügel zu machen und die Krankenhäuser zu entlasten. Wichtig sei es, dass 2G-Plus jetzt überall umgesetzt und vor allem besser kontrolliert werde.

Live-Video: Lauterbach, Wieler und Drosten über die aktuelle Corona-Lage

Lockerungen schloss Lauterbach zum jetzigen Zeitpunkt aus. Dafür gebe es zu viele Risiken für gefährdete Personengruppen durch Omikron-Infektionen.

Jedoch seien derzeit auch keine neuen Maßnahmen angebracht, Schulschließungen schloss Lauterbach erneut aus. Wichtig sei weiterhin, viel zu impfen, um genug Menschen zu schützen. Sollten die Fallzahlen aber noch deutlich steigen und eine Überlastung der medizinischen Versorgung zu erwarten sein, müsse auch mit anderen Maßnahmen gegengesteuert werden. „An dem Punkt sind wir nicht.“

Die Fallzahlen werden weiter steigen. Knapp ein Prozent der Bevölkerung hat im Moment Corona.

Lothar Wieler

Zwar gebe es Studien, die zeigten, dass Omikron möglicherweise milder verlaufe. Allerdings seien diese auf Deutschland kaum übertragbar. "An diesen Studien nehmen in aller Regel viele junge Menschen teil. Das Besondere in Deutschland ist aber, dass die Bevölkerung aus vielen älteren Menschen mit vielen Risikofaktoren besteht", so Lauterbach.

Wieler: Omikron türmt sich mit ungesehener Dynamik auf

Omikron mache laut Lothar Wieler, Chef des Robert-Koch-Instituts, mehr als 70 Prozent des aktuellen Infektionsgeschehens im Land aus. "Die Fallzahlen werden weiter steigen. Knapp ein Prozent der Bevölkerung hat im Moment Corona", warnte Wieler. Das sei eine bislang unbekannte Dynamik.

Die niedrige Hospitalisierungsinzidenz sei kein Grund zur Entwarnung. In den nächsten Wochen würden immer mehr Ältere erkranken, die häufiger schwere Verläufe aufwiesen. 

Wieler sagte: "Selbst wenn die Omikron-Variante milder verläuft, werden die Hospitalisierungen durch die deutlich steigende Masse der Infektionen steigen." Mit steigender Inzidenz werde das RKI nicht mehr umfangreich alle Fälle erfassen können, da mit der Zahl der Infektionen auch die Dunkelziffer steige.

Auch der Meldeverzug werde größer, so Wieler. Inzidenz und Hospitalisierungsinzidenz seien dann weniger aussagekräftig. Dennoch bilde das RKI auch weiterhin die wichtigen Trends auf Datenbasis ab. 

"Jede Infektion, die wir verhindern, trägt zur Eindämmung der Welle bei. Wir haben die Werkzeuge", betonte Wieler. Wer noch nicht geimpft sei, solle das jetzt tun. Die Impfung sei das wichtigste Instrument im Kampf gegen das Virus. Außerdem sei man es dem medizinischen Personal schuldig, durch die Impfung für mehr Schutz zu sorgen.

Drosten: Milden Verläufe wird durch zu viele Fälle egalisiert

Virus-Experte Christian Drosten warnte davor, dass einige wichtige Sachverhalte noch nicht gut genug erklärt seien. Dazu gehöre der Umstand, dass die möglicherweise mildere Omikron-Variante durch mehr Infektionen auf jeden Fall für mehr Hospitalisierungen sorgen werde, als die Delta-Variante.

Wichtig sei auch, dass die sogenannte "Omikron-Wand" dort entstanden sei, wo Länder die Maßnahmen zur Kontaktreduzierung fast komplett abgebaut hatten. Deutschland habe bereits im Herbst wieder Maßnahmen eingeführt, das helfe jetzt entscheidend.

Aber es gebe eine große Impflücke, die gefährlich werden könne, sagte Drosten. "Wir haben 3 Millionen über 60-Jährige, die nicht geimpft sind. 9 Millionen über 60-Jährige sind ungeboostert." Das sei sehr gefährlich, so Drosten.

Dieser Umstand trage dazu bei, dass im Moment niemand abschätzen könne, wie eine Durchseuchung der Bevölkerung in Deutschland verlaufen würde. Da man nicht auf Dauer alle drei Monate die gesamte Bevölkerung impfen könnte, müsse dieser Punkt irgendwann kommen. Endemisch könnte das Virus laut Drosten bis zum Ende des Jahres werden.

Er erwarte zunächst, dass im zweiten Quartal 2022 eine Impfung mit einem Update für die Omikron-Variante komme. Das sei wichtig, um die Risikopatienten zu schützen. Jedoch sei es wichtig, dass Menschen gegen beide Virus-Varianten geimpft sind, da nach der Omikron-Welle eine Rückkehr der vorhergehenden Variante denkbar sei.

Vor diesem Hintergrund machte Drosten klar, dass eine Infektion mit der Omikron-Variante nicht gegen eine Infektion mit anderen Virus-Varianten schütze.

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