Porridge statt Pute

Weihnachten in Brexit-Land?
Weihnachten in Brexit-Land? (Foto: Andreas Berheide/imago images)
Schwäbische Zeitung

Langsam dämmert’s uns, dass wir unausweichlich auf Weihnachten zusteuern. Und wenn man den unkigen Unkenrufen der Wirtschaft glauben darf, könnte es ein rechtes Fiasko unterm Tannenbaum geben. Weil die globalen Lieferketten noch immer durchgerüttelt werden von den Spätfolgen der Corona-Krise. Es könnte also sein, dass heuer ein paar Kilo weniger Plastik aus China vom Christkind angeschleppt werden. Vorsorglich hat der Handel schon mal entsprechend die Preise für weihnachtsrelevante Produkte erhöht, wie in den Wirtschaftsteilen der Zeitungen zu lesen steht.

Den Briten droht nach ihrem nur so mittelgut gelungenen Brexit sogar ein akuter Mangel an Truthähnen. Weil keine LKW-Fahrer zu deren Transport zur Verfügung stehen, gibt es womöglich an den Feiertagen nur lauwarmen Porridge, wie man auf der Insel den glibberigen Haferbrei nennt. Außer, die Puten haben ein Einsehen und nehmen selbst die Beine in die Hand, um zu den Konsumenten zu hatschen. Fliegen können sie ja nun nicht. Körpergewicht und Flügel passen nicht zusammen.

Dennoch besteht kein Anlass zur Schadenfreude. Weder den Truthähnen noch den Briten gegenüber. Man muss ja immer im Hinterkopf behalten, dass damals 48,1 Prozent der Menschen gegen den Brexit gestimmt haben. Würde man analog dazu unter den Festtagsputen ein Referendum über die Frage abhalten, ob sie heuer Weihnachten lieber in ihren Ställen bleiben würden, als von Lastwagenfahrern auf eine letzte Spritztour mitgenommen zu werden – das Ergebnis wäre eindeutig. (nyf)

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