Pompeo ließ Mitarbeiter Hund abholen

Mike Pompeo
Mike Pompeo war von 2018 bis vergangenen Januar Außenminister des damaligen US-Präsidenten Donald Trump. (Foto: Andrew Harnik / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Hundebetreuung auf Bitten des Ministers: Eine interne Aufsichtsbehörde wirft dem früheren US-Außenminister Mike Pompeo und seiner Ehefrau Susan vor, während seiner Amtszeit in mehr als hundert Fällen Mitarbeiter des Ministeriums um die Erledigung persönlicher Angelegenheiten gebeten zu haben.

In einem am Freitag (Ortszeit) veröffentlichten Bericht hieß es unter anderem, die Pompeos hätten mehrfach darum gebeten, den Hund der Familie abzuholen oder bei ihrem Haus vorbeizufahren, um das Tier rauszulassen.

Pompeo war von 2018 bis vergangenen Januar Außenminister des damaligen US-Präsidenten Donald Trump. Der 57-Jährige war einer der loyalsten Trump-Vertrauten und wird als möglicher Präsidentschaftskandidat der Republikaner bei der Wahl 2024 gehandelt. Die Demokraten im Repräsentantenhaus warfen ihm am Freitag vor, sein Amt zum Nutzen seiner Person, seiner Familie und seiner künftigen politischen Ambitionen ausgenutzt zu haben.

Das Büro des Generalinspekteurs des Außenministeriums (OIG) teilte mit, die Untersuchung sei durch Hinweise eines Whistleblowers 2019 ausgelöst worden. Sie habe ergeben, dass sowohl Mike als auch Susan Pompeo eine vom Minister eigens eingestellte Beraterin und andere Mitarbeiter unter anderem darum gebeten hätten, persönliche Dinge abzuholen, private Veranstaltungen zu planen, persönliche Weihnachtskarten zu verschicken oder das Haustier zu betreuen. Das stehe „im Widerspruch zu den Ethikregeln des Ministeriums“.

In dem OIG-Bericht hieß es, die Beraterin sei eine langjährige Freundin der Pompeos. Sie habe zwar auch dienstliche Aufgaben erfüllt, habe von Susan Pompeo aber „fast täglich“ E-Mails erhalten, in der sie um Erledigung zusätzlicher Dinge gebeten worden sei. So habe Susan Pompeo sie etwa im September 2019 um Hilfe dabei gebeten, zwei Friseurtermine zu machen. Im Dezember 2019 habe Susan Pompeo ihr eine E-Mail mit folgendem Inhalt geschickt: „Ich frage mich, wenn wir die letzten unserer persönlichen (Weihnachts-)Karten verschicken, wer wird da sein, um mir zu helfen?“ Daraufhin hätten die Beraterin und ein hochrangiger Beamter an einem Wochenende die Karten mit Umschlägen versehen, diese adressiert und verschickt.

Weiter hieß es, im Juli 2019 habe Susan Pompeo die Beraterin damit beauftragt, ihr beim Erstellen eines Empfehlungsschreiben für die Bewerbung eines persönlichen Freundes für ein Medizinstudium zu helfen. Die Beraterin sei auch gebeten worden, Geschenke zu besorgen, wenn die Pompeos zu nicht-dienstlichen Abendessen eingeladen wurden. In mindestens 30 Fällen hätten Mike oder Susan Pompeo Ministeriumsmitarbeiter mit Reservierungen für persönliche Restaurantbesuche mit Familie oder Freunden beauftragt.

In einem weiteren Fall hätten die Pompeos im September 2019 ein Geburtstagsabendessen mit ihrem Sohn in New York geplant und dazu einen Kuchen mitbringen wollen. Das Restaurant habe für mitgebrachtes Essen eine Gebühr von 8 Dollar (6,70 Euro) erheben wollen. Susan Pompeo habe das Vorauskommando der Sicherheitsleute daraufhin darum gebeten, ob „vielleicht der charmanteste“ von ihnen Einfluss auf das Restaurant nehmen könne, damit diese Gebühr entfalle. Die Sicherheitsleute hätten der Bitte nicht Folge geleistet, weil sie die Angemessenheit der Anfrage bezweifelt hätten.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Repräsentantenhaus, der Demokrat Gregory Meeks, forderte das Außenministerium dazu auf, mögliche Gesetzesverstöße Pompeos zu untersuchen. Er verlangte zudem Anstrengungen, um die „vom ehemaligen Minister Pompeo und seiner Familie verschwendeten Steuergelder“ wieder reinzuholen. Meeks kritisierte: „Während Mike Pompeo das Außenministerium nutzte, um den Grundstein für seine zukünftige politische Karriere zu legen, sanken Amerikas Ansehen in der Welt und die Moral im Ministerium weiter.“

© dpa-infocom, dpa:210417-99-243120/3

Wir haben die allgemeine Kommentarfunktion unter unseren Texten abgeschaltet. Für einzelne Texte wird es auch weiterhin die Möglichkeit zum Austausch geben. Aufgrund der Vielzahl an Kommentaren können wir derzeit aber keine gründliche Moderation mehr gewährleisten. Mehr Informationen zu unseren Beweggründen finden Sie hier.
Kommentare werden geladen

Meist gelesen

Impftermin-Ampel: Jetzt mit Push-Nachrichten für Ihr Impfzentrum

Die Impftermin-Ampel von Schwäbische.de zeigt mit einem Ampelsystem Impfzentren der Region an, in denen es gerade freie Termine gibt. 

+++ JETZT NEU: Nutzer mit einem Schwäbische Plus Basic, Premium- oder Komplettabo können sich nun exklusiv und noch schneller per Pushnachricht aufs Handy über freie Termine bei Ihrem Wunsch-Impfzentrum informieren lassen. Hier geht es direkt zum Push-Service, Abonnenten können ihn sofort nutzen.

Nutzer ohne Abo können weiterhin die bestehende Impfampel auf dieser Seite hier nutzen.

Landesregierung beschließt neue Öffnungsschritte

Die Landesregierung von Baden-Württemberg hat am späten Donnerstagabend eine neue Corona-Verordnung beschlossen. Darin werden zahlreiche Öffnungsschritte festgelegt. 

Ab Samstag, 15. Mai soll damit laut Sozialministerium eine Regelung gelten, die dann gilt, wenn die Bundes-Notbremse in einem Landkreis außer Kraft gesetzt wird. Also wenn die Inzidenz an fünf Werktagen hintereinander unter 100 bleibt.

Dann dürfen folgende Einrichtungen öffnen, allerdings nur mit einem Test-, Impf- oder Genesenen-Nachweis ...

Impfung

Chefvisite - Klinikchef fordert harte Strafen für Impfverweigerer

Für Impfverweigerer soll möglichst rasch ein Regel- und Strafwerk erarbeitet werden. Darüber müsse „jetzt entscheiden werden, sonst gerät das Thema in den Bundestagswahlkampf“, warnt der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen A. Werner, bei „19 – die Chefvisite“. Die Corona-Impfung sei selbstverständlich freiwillig, so der Mediziner.

Es müsse aber auch klar sein, dass ein Nein zum Piks von bis zu zehn Millionen Einwohnern für diese „bedeutet, dass etwas wegfällt“ – als Strafen denkbar seien zum Beispiel die Untersagung des ...

Mehr Themen