Pakistan vereinbart Waffenruhe mit Islamisten

Lesedauer: 3 Min
Deutsche Presse-Agentur

Nach dem Abschluss eines international heftig kritisierten Abkommens über die Einführung von Scharia-Gerichten im umkämpften Swat-Tal haben radikal-islamische Extremisten und die pakistanische Regierung nun eine dauerhafte Waffenruhe vereinbart.

„Wir sind zu einem unbegrenzten Waffenstillstand bereit“, sagte Taliban-Sprecher Muslim Khan am Dienstag. Die Entscheidung sei vom Führungsrat der Aufständischen unter Leitung des radikalen Predigers Maulana Fazlullah getroffen worden. „Wir sind den Taliban für ihren Entschluss dankbar“, sagte der Informationsminister der Nordwest-Grenzprovinz, Mian Iftikhar Hussain, in der Stadt Peshawar.

„Unsere Kämpfer wurden angewiesen, keine Angriffe mehr auf die Sicherheitskräfte oder Einrichtungen der Regierung zu verüben“, erklärte Taliban-Sprecher Khan weiter. Maulana Fazlullah werde sich später direkt über einen von ihm betriebenen Radiosender an die Bevölkerung des Swat-Tals wenden. Bereits am Samstag hatte der Verwaltungschef der Region Malakand, zu der das Swat-Tal gehört, erklärt, Regierung und Extremisten hätten sich auf eine Waffenruhe verständigt. Fazlullah hatte das jedoch zunächst zurückgewiesen.

Die Regierung der Nordwest-Grenzprovinz und die Extremisten hatten vergangenen Montag ein Abkommen über die Einführung der islamischen Rechtsprechung (Scharia) im Swat-Tal und weiteren Distrikten der Region Malakand unterzeichnet. Die Taliban hatten als „Geste des guten Willens“ einen einseitigen zehntägigen Waffenstillstand verkündet, der an diesem Mittwoch ausgelaufen wäre. Fazlullah kämpft seit Ende 2007 für die Einführung der Scharia im Swat-Tal, das nur 160 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Islamabad liegt. Bei den Gefechten starben in der vergangenen Monaten hunderte Menschen.

Nach pakistanischen Medienberichten soll inzwischen auch in der benachbarten Stammesregion Bajaur eine Extremisten-Gruppe eine einseitige Waffenruhe verkündet haben. Der Sender Geo TV berichtete am Dienstag, die Regionalverwaltung habe den Schritt begrüßt und ihrerseits einen viertägigen Waffenstillstand erklärt. Weitere Einzelheiten wurden nicht bekannt. Die Region Bajaur im Grenzgebiet zu Afghanistan gilt als Rückzugsraum für im Nachbarland aktive Taliban-Kämpfer und El-Kaida-Terroristen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen