Pakistan lässt Scharia zu - Militante jubeln

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Deutsche Presse-Agentur

Als Zugeständnis an die radikal-islamischen Taliban haben die pakistanischen Behörden die Einrichtung von Scharia-Gerichten im umkämpften Swat-Tal angekündigt. Zahlreiche Menschen bejubelten am Montag auf den Straßen Nordpakistans die Entscheidung.

Ein Abkommen über die Einführung der islamischen Rechtsprechung sei am Montag zwischen der Regierung der Nordwest-Grenzprovinz und dem Geistlichen Maulana Sufi Mohammad unterzeichnet worden, sagte Provinz-Informationsminister Mian Iftikhar Hussain in Peshawar. Mohammads Schwiegersohn ist der Taliban-Chef im Swat-Tal, Maulana Fazlullah. Fazlullah kämpft seit Ende 2007 für die Einführung der Scharia in der Region, die früher auch ein beliebtes Urlaubsziel war.

Hussain betonte: „Alle Gesetze gegen die Scharia werden abgeschafft, und die Scharia wird unter diesem Justizsystem durchgesetzt werden.“ Die Provinzregierung kündigte zudem an, nach dem Abkommen würden Operationen der Sicherheitskräfte gegen Fazlullah und seine Kämpfer gestoppt. Der Ministerpräsident der Provinz, Amir Haider Khan Hoti, sagte, er hoffe, die Aufständischen würden ihrerseits die Angriffe beenden, nachdem die Regierung ihre Forderung nach Einführung der Scharia erfüllt habe. „Diejenigen, die für dieses Ziel den Pfad der Gewalt gewählt haben, sollten der Gewalt nach der heutigen historischen Entscheidung abschwören.“

Die Taliban äußerten sich zunächst nicht. Bereits am Sonntag hatte Fazlullahs Sprecher Muslim Khan aber als „Geste des guten Willens“ einen einseitigen, zehntägigen Waffenstillstand verkündet. Bei den heftigen Gefechten im Swat-Tal, das nur rund 160 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Islamabad liegt, sind in den vergangenen 14 Monaten hunderte Zivilisten, Aufständische, Beamte und Angehörige der Sicherheitskräfte getötet worden. Die Regierung der Atommacht Pakistan hat über weite Teile des Swat-Tals und der halbautonomen Stammesgebiete an der afghanischen Grenze keine Kontrolle mehr.

Bei einem erneuten mutmaßlichen US-Raketenangriff im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan wurden am Montag mehrere Extremisten getötet. Ein pakistanischer Geheimdienstmitarbeiter, der ungenannt bleiben wollte, sagte, nach ersten Angaben von Informanten seien zehn Aufständische getötet und rund ein Dutzend weitere verletzt worden. Zwei Raketen hätten ein Haus im Stammesgebiet Kurram zerstört, in dem sich Angehörige der Taliban versammelt hätten. Zuletzt waren bei einem mutmaßlichen Raketenangriff einer US-Drohne in den Stammesgebieten am Samstag mindestens 30 Taliban-Kämpfer getötet worden.

Bei Gefechten und Anschlägen in Afghanistan wurden unterdessen nach Angaben von Militärs und Behörden ein Soldat der Internationalen Schutztruppe ISAF, drei afghanische Straßenarbeiter sowie mindestens 17 Taliban-Kämpfer getötet. Die US-Armee teilte mit, unter den getöteten Aufständischen seien zwei hochrangige Anführer der Taliban. Unter anderem sei der Kommandeur der Aufständischen in der Provinz Badghis, Mullah Dastighir, getötet worden.

Der neue US-Sonderbeauftragte für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, sagte derweil in der indischen Hauptstadt Neu Delhi, Indien, Pakistan und die USA stünden vor einem gemeinsamen Feind. Dieser bedrohe „unsere Führungen, Völker und Hauptstädte“. Zuvor war Holbrooke mit dem indischen Außenminister Pranab Mukherjee zusammengekommen. Indien ist Holbrookes letzte Station auf seiner Südasien-Reise. Zuvor war er bereits in Pakistan und Afghanistan gewesen.

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