Organspende: Scharfe Kritik an Jens Spahn

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Deutsche Presse-Agentur

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat Kritik an seinem Vorstoß zur Organspende zurückgewiesen. Die von ihm vorgeschlagene Widerspruchslösung sei zwar „ein starker Eingriff in die Freiheit“, sagt Spahn am Dienstag im ARD-„Morgenmagazin“. Alle bisherigen Versuche, die Zahl der Organspender zu erhöhen, seien aber erfolglos geblieben. „Drei Menschen sterben jeden Tag, weil das Organ, das sie sehnsüchtig erwartet haben, nicht kam“, sagt Spahn.

Bisher muss ein potenzieller Spender noch zu Lebzeiten in die Organspende eingewilligt haben, oder seine Angehörigen stimmen dem im Todesfall zu. Mit einer Widerspruchslösung, wie Spahn sie vorgeschlagen hat, wäre jeder automatisch Spender, wenn nicht er oder seine Angehörigen ausdrücklich widersprechen.

"Abstrakte Bereitschaft" hilft nicht

84 Prozent der Deutschen stünden der Organspende positiv gegenüber, sagt Spahn. „Aber viel, viel weniger haben einen Organspendeausweis.“ Die „abstrakte Bereitschaft“ zur Organspende helfe den 10.000 Menschen, die in Deutschland derzeit auf ein Spenderorgan warteten, jedoch nicht weiter.

Das Thema Organspende sei mit vielen Ängsten, Sorgen und Fragen verbunden, räumt Spahn ein. „Aber man bearbeitet Ängste am besten, indem man die Dinge bespricht, und indem wir eine ausführliche, breite Debatte führen.“ Die durch seinen Vorstoß hervorgerufene Debatte sei aus seiner Sicht daher schon „ein Wert an sich."

Spahn stößt mit seiner Initiative zur Organspende auf Widerspruch in der Union. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Karin Maag kritisiert gegenüber der Stuttgarter Zeitung: „So geht es nicht. Wir machen unseren eigenen Gesetzentwurf mit einer Debatte kaputt, die viel zu früh kommt.“ Die CDU-Politikerin warnt: So könnten noch mehr Ängste geweckt und das Vertrauen in die Organspende gemindert werden.

Nach Spahns Vorstoß soll automatisch jeder als Spender gelten, der zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widerspricht - oder nach dem Tod die Angehörigen. Bisher gilt das umgekehrte Prinzip, wonach Organentnahmen nur mit ausdrücklicher Zustimmung erlaubt sind.

Enorme Ängste und Vorbehalte

Der CSU-Gesundheitspolitiker Stephan Pilsinger kritisierte Spahn ebenfalls. „Man sollte nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen." Die Widerspruchsregelung treffe auf „enorme Ängste und Vorbehalte in der Bevölkerung, löst aber kein Problem“.

Fraktionsvize Georg Nüßlein hingegen spricht sich für Spahns Vorstoß aus. Er sehe „diesmal die Chance, dafür eine Mehrheit im Parlament zu finden“. Auch der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, nennt die Widerspruchslösung eine „sehr gute Idee“. Allerdings sei die Initiative rechtlich nur sehr schwierig umzusetzen, sagt´Montgomery. Die Diskussion müsse aber auch und vor allem in der Gesellschaft geführt werden.

Fürspruch erhält Spahn auch von Baden-Württembergs Sozialminister Manfred Lucha: "Ich persönlich würde die Widerspruchsregelung befürworten und mittragen."

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