Neues Tierwohl-Label: So sollen Verbraucher mit gutem Gewissen Fleisch kaufen

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Hanna Gersmann

Was für ein Schweineleben es war? Dem Schnitzel im Kühlregal sieht man das nur selten an. Das soll sich ändern. CDU-Bundesagrarministerin Julia Klöckner hat am Mittwoch ein staatliches Tierwohllabel vorgestellt. Das gilt zunächst nur fürs Schwein. Doch immerhin mehr als die Hälfte der 60 Kilo Fleisch, die der Durchschnittsdeutsche pro Jahr isst, kommt von dem Borstenvieh, genauer: 36 Kilo im Jahr. Und ein Siegel fürs Huhn oder fürs Rind soll folgen. Ein Überblick über die wichtigsten Punkte.

  • Was das Logo regeln soll

Das Logo gebe „Orientierung“, meinte Klöckner, jeder könne „sich bewusst entscheiden“, ob er für mehr Tierwohl mehr Geld ausgeben wolle. Das Gütesiegel bezieht sich auf den gesamten Weg des Tiers – von der Geburt bis zur Schlachtung. Dabei gilt grundsätzlich: Das neue Label darf auf der Fleischverpackung nur prangen, wenn das Schwein es auf allen Stationen seines Lebens besser hatte, als es die gesetzlichen Mindeststandards vorschreiben. Im einzelnen gibt es drei verschiedene Stufen, abhängig von 13 Kriterien. Dazu gehören etwa der Platz im Stall, das Futter, die Tiergesundheit, die Art des Transports und die Schlachtung. Was heißt das genau fürs Schwein? Beispiele:

  • Platz im Stall

Es soll weniger eng werden. Das Tier bekommt in der Stufe eins 20 Prozent mehr Platz, in Stufe zwei 47 Prozent, in Stufe drei 91 Prozent, und ab 30 Kilo Gewicht auch einen Auslauf nach draußen. Das geht Tierschützern nicht weit genug. Katrin Wenz vom Bund für Umwelt und Naturschutz rechnet beispielsweise vor: „Für ein Mastschwein, das bis zu 110 Kilogramm wiegt, sind in der ersten Stufe nur 0,90 Quadratmeter eingeplant. Das ist viel zu wenig.“ 40 Prozent Platz müssten es schon sein, damit es den Tieren besser gehe.

  • Die Ferkelkastration

Millionen männliche Ferkel werden in Deutschland kurz nach der Geburt kastriert, damit das Fleisch nicht den strengen Geruch eines Ebers annimmt – ohne jegliche Betäubung. Für das neue Gütesiegel ist sie grundsätzlich tabu. Die Bauern können ihre Tiere stattdessen zum Beispiel impfen oder bei der „Entmannung“ betäuben.

  • Die Ringelschwänze

Damit Schweine einander nicht im Gedränge anknabbern, wird in deutschen Ställen oft der Ringelschwanz gekürzt. Das ist in den Stufen zwei und drei des neuen Logos untersagt, in der Stufe eins nicht. Das ärgert viele. Gerald Wehde von Bioland, dem größten Ökoanbauverband Deutschlands, zum Beispiel verweist darf, dass das sogenannte Kupieren nach Vorgaben der EU schon seit 2008 nur noch in absoluten Ausnahmefällen zulässig sein soll.

  • Tiertransporte

Schweine sind auf Lastwagen über weite Strecken unterwegs, bis zu 24 Stunden am Stück sind erlaubt, Tränken und Einstreu erst ab acht Stunden vorgeschrieben. Doch bei Tieren, deren Fleisch das Gütesiegel trägt, dürfen es nicht mehr als acht Stunden Fahrt sein, ab vier Stunden müssen Wasser und Einstreu im Laster da sein. Das gilt für alle Stufen. Ob sich viel ändert, hängt freilich damit zusammen, wie stark das überwacht wird. Geplant sind regelmäßige Kontrollen.

  • Die Schlachtung

Immer wieder tauchen geheim gedrehte Videos auf, die scheußliche Bilder aus Schlachthöfen zeigen. Tiere sind dann zum Beispiel nicht richtig betäubt, kommen vor dem eigentlichen Schlachten wieder zu sich. Um das Gütesiegel zu erhalten, sollen unter anderem von jedem Schwein Videoaufnahmen gemacht werden. Der Tod der Tiere muss durch „anerkannte Verfahren“ erfolgen bevor die Tiere zerlegt und weiterverarbeitet werden. Das gilt für alle Stufen, also von der ersten bis zur dritten.

  • Freiwilligkeit

Anders als bei rohen Eiern soll die Kennzeichnung nicht verpflichtend sein. In Dänemark und den Niederlanden, sagte Ministerin Klöckner, gebe es ähnliche Systeme. Dort würden rund 20 Prozent des Fleischs gelabelt. Zudem gäben gut 80 Prozent der Deutschen in Umfragen an, dass sie gerne wüssten, ob das Fleisch auf ihren Tellern von artgerecht gehaltenen Tieren kommt. Jetzt müsse sich zeigen, ob die Verbraucher auf das Label tatsächlich achten. In den Supermarktregalen wird das staatliche Sauwohl-Label – dessen Form derzeit designt wird - ab 2020 auftauchen.

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