NATO-Generalsekretär: Weg für Rasmussen scheint frei

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Deutsche Presse-Agentur

Für den dänischen Ministerpräsidenten Anders Fogh Rasmussen scheint der Weg zum Amt des NATO-Generalsekretärs frei. Die Türkei hat nach den Worten ihres Präsidenten Abdullah Gül keine grundsätzlichen Bedenken gegen den Dänen als neuen Chef des Bündnisses.

Der 56-jährige Däne gilt seit einiger Zeit als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge von NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer, der diesen Sommer ausscheidet. In den vergangenen Wochen hatte es Spekulationen gegeben, Ankara könnte Rasmussen wegen der umstrittenen Veröffentlichungen von Karikaturen des Propheten Mohammed in der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“ zu verhindern versuchen.

Rasmussen hatte die Veröffentlichung der Zeichnungen in Dänemarks größter Zeitung im Jahre 2005 verteidigt. Die Karikaturen hatten in der islamischen Welt für viel Kritik gesorgt sowie zu Angriffen auf dänische Einrichtungen im Ausland geführt.

Gül bemühte sich, die Wogen zu glätten. „Lasst uns nicht allzu viel über Religion reden, weil dies spalten kann. Was uns umtreibt ist die Zukunft der NATO.“ Er fügte allerdings hinzu, es gebe keinen Druck, beim anstehenden NATO-Gipfel einen Nachfolger für de Hoop Scheffer zu benennen. Der Posten des Generalsekretärs des Bündnisses kann nur mit Zustimmung aller 26 NATO-Mitglieder besetzt werden. Sowohl der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski als auch der frühere bulgarische Außenminister Solomon Passy galten als weitere Interessenten für den Posten. Gül sagte weiter: „Wir, die Türkei, sind nicht gegen den Ministerpräsidenten oder sonst irgend jemanden“.

Auch Italien und Spanien unterstützten die Kandidatur des rechtsliberalen dänischen Regierungschefs. „Es gibt einen allgemeinen Konsens im Kreis der Verbündeten zum Namen Rasmussen“, sagte ein italienischer Diplomat am Rande eines Treffens der EU- Außenminister in Hluboká nad Vltavou (Frauenberg) unweit von Budweis in Tschechien. Madrid betrachte eine Kandidatur des 56-Jährigen „mit größter Sympathie“, erklärte ein Regierungssprecher. Rasmussen habe gute Beziehungen zum spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero, hieß es weiter. Vorher hatten auch die USA sowie Deutschland, Frankreich und Großbritannien ihre Unterstützung für den Dänen erklärt.

Die Staats- und Regierungschefs der NATO wollen die Personalie möglichst beim NATO-Gipfel am 3. und 4. April in Baden-Baden, Kehl und Straßburg verkünden. Der Gipfel findet nächste Woche anlässlich des 60. Geburtstags der NATO statt.

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