Nach der Terrorattacke steht die Regierung in der Kritik

Lesedauer: 4 Min
David Cameron und Nick Raynsford. (Foto: dpa)
Alexei Makartsev

Der ermordete Soldat war 25 Jahre alt, ein Manchester-United-Fan, beliebter Spaßmacher in seiner Kompanie der Royal Fusiliers und Vater des zweijährigen Jack. Er absolvierte 2009 mit Auszeichnung einen Afghanistan-Einsatz, seit 2011 arbeitete er im Londoner Tower.

Michael A. ist 28 Jahre alt, aus London und hat an der Uni Greenwich studiert. Seine Bekannten beschreiben den Sohn von nigerianischen Einwanderern als einen intelligenten und humorvollen Mann, der nach seiner Konversion vom Christentum zum Islam Diskussionen über Religion gemieden hat. Was wohl nur wenige gewusst haben: Der ruhige Mann lebte scheinbar die vergangenen acht bis zehn Jahre ein Doppelleben als „Rächer der unterdrückten Muslime“. A. hat angeblich an Treffen einer verbotenen extremistischen Gruppe teilgenommen und Wurfblätter mit Hasspropaganda verteilt. Die Geheimdienste sollen das gewusst und wegen „ausbleibender Gefahr“ die Hinweise dennoch ignoriert haben.

Zwei Tage nach der Terrorattacke in Woolwich stand die Frage nach einem möglichen Versagen des Staates im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte in Großbritannien. Sie wird in einer parlamentarischen Untersuchung geklärt werden, die Premierminister David Cameron angeordnet hat. Unterdessen warten die Ermittler darauf, dass die beiden mutmaßlichen Täter, die in einem „stabilen Zustand“ sein sollen, in einem Krankenhaus vernommen werden können.

Die Deeskalationsstrategie des britischen Premiers David Cameron scheint bislang wenig Erfolg zu haben. Cameron verurteilte zwar das Verbrechen, doch er erhöhte nicht die derzeitige, dritthöchste Terrorwarnstufe und bat die Bürger, ihr „normales Leben“ fortzuführen. Gleichzeitig wurde die Polizeipräsenz in den Straßen Londons um 1200 Offiziere verstärkt. Dennoch konnten die Behörden eine Ausschreitung der rechten Extremisten und angeblich mehrere Dutzend „Vorfälle“ mit religiösem Hintergrund nicht verhindern. Seit dem Mord wurden vier Moscheen angegriffen.

Am Freitag sorgte ein Alarmsignal von einem Flugzeug der Gesellschaft PIA auf dem Weg von Lahore nach Manchester für Aufregung in London. Weil zwei Männer an Bord der Maschine heftig mit der Besatzung gestritten hatten, wurde das Flugzeug in Begleitung von zwei Kampfjets zum Flughafen London Stansted geleitet, wo beide Verdächtige nach der Landung festgenommen wurde.

Camerons Kritiker plädieren nun dafür, den elektronischen Datenverkehr im Königreich fast ohne Einschränkungen für die Polizei und Geheimdienste zu öffnen, um die Aktivitäten von Kriminellen und Terroristen besser durchkreuzen zu können.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen