Mutmaßlicher Klatten-Erpresser gesteht

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Deutsche Presse-Agentur

Der mutmaßliche Erpresser der Quandt-Erbin Susanne Klatten hat vor Gericht gestanden, die reichste Frau Deutschlands und drei weitere wohlhabende Frauen verführt und um Millionen erleichtert zu haben.

„Ich bedauere das Vorgefallene zutiefst und entschuldige mich hier in der Hauptverhandlung und in aller Öffentlichkeit“ bei den geschädigten Damen, sagte der Schweizer Helg Sgarbi am Montag vor dem Landgericht München I. Die Anklagepunkte „treffen im Kern zu“, erklärte einer seiner Anwälte. Zu möglichen Mittätern wollte Sgarbi sich nicht äußern. Wo das Geld geblieben ist, sagte er zunächst auch nicht.

Der Angeklagte habe sich an wohlhabende Frauen herangemacht, „mit der Zielsetzung, sich durch gleich gelagerte Vorgehensweisen eine nicht nur vorübergehende Einnahmequelle von erheblichem Umfang zu beschaffen“, betonte Staatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch. Die Staatsanwaltschaft wirft Sgarbi in vier Fällen Betrug im besonders schweren Fall und in zwei Fällen zusätzlich versuchte Erpressung im besonders schweren Fall vor.

Sgarbi versuchte den Ermittlungen zufolge, die Frauen mit intimen Bildern zu erpressen. Zum Verbleib der Videos sagte er am Montag zunächst nichts. Die BMW-Großaktionärin Klatten (46) hatte das Verfahren gegen den 44-jährigen Übersetzer, der sechs Sprachen spricht, mit ihrer Anzeige ins Rollen gebracht. Sgarbi stellte sich zu Beginn der Verhandlung ruhig und gelassen den Fotografen und Kameraleuten. Die Verlesung der Anklage verfolgte er dann mit hochrotem Kopf.

Der Schweizer hatte die Frauen in edlen Wellness-Hotels kennengelernt und Beziehungen begonnen. Als er seine Erpressungsversuche startete, hatte er laut Anklage von Klatten und zwei anderen Frauen binnen eineinhalb Jahren bereits 9,4 Millionen Euro freiwillig bekommen. Zu den Zahlungen brachte er die Frauen nach Überzeugung der Staatsanwalt stets mit der Geschichte von einem Unfall mit einem schwer verletzten Kind. Nun müsse er sich freikaufen.

Die Millionensummen soll Sgarbi zumindest teilweise dem Leiter einer Sekte in Italien gegeben haben. Laut Staatsanwaltschaft gilt dieser als mutmaßlicher Mittäter, gegen ihn besteht ein europäischer Haftbefehl. Jedoch will die italienische Justiz auch die in Deutschland begangenen Taten verhandeln.

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