Mutmaßlicher Duisburger Mafia-Mörder gefasst

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Deutsche Presse-Agentur

Strangio gilt als Drahtzieher der Tat, sein Schwager Francesco Romeo (41) als möglicher Komplize. Beide seien von der Festnahme völlig überrascht worden, berichtete der Chef der Duisburger Kriminalpolizei, Holger Haufmann. Sie hätten keinen Widerstand geleistet.

Strangio soll im August 2007 gemeinsam mit einem weiteren Killer vor einem Restaurant in Duisburg sechs Mafiosi eines rivalisierenden Clans der süditalienischen „Ndrangheta erschossen haben. Der Abgleich von DNA-Proben der Festgenommenen mit Spuren im Fluchtauto werde ergeben, ob dieser zweite Täter Romeo gewesen sei, sagte ein Polizeisprecher in Duisburg.

Wo der Prozess gegen Strangio und seine mutmaßlichen Mittäter geführt wird, steht nach Angaben des Duisburger Oberstaatsanwalts Detlef Nowotsch noch nicht fest. Sowohl die deutsche als auch die italienische Justiz wollten Auslieferungsanträge stellen. Strangio und Romeo sollen am Montag einem Haftrichter vorgeführt werden, sagte der Sprecher der nationalen Staatsanwaltschaft, Wim de Bruin.

Zielfahnder des Bundeskriminalamts und der italienischen Polizei waren Strangio durch eine langwierige Beschattungsaktion auf die Spur gekommen. Durch Telefondaten habe es bereits Ende 2007 erste Hinweise gegeben, dass er sich in Amsterdam aufhalte, sagte Haufmann. Zunächst sei es aber nicht gelungen, den genauen Aufenthaltsort zu ermitteln. Erst als am 15. November 2008 drei Schwestern Strangios nach Amsterdam gereist waren, habe sich die Spur konkretisiert.

Durch die Beschattung der Schwestern gelang zunächst die Festnahme des seit mehr als zehn Jahren gesuchten Mafia-Bosses Giuseppe Nirta. Nirta ist mit einer der Schwestern verheiratet. Eine in seiner Wohnung gefundene Feinstaubplakette für ein in Frankfurt/Main zugelassenes Auto führte die Fahnder auf die Spur eines 48-jährigen Kontaktmannes der Mafiosi. Als dieser Anfang März nach Amsterdam kam, habe man den Aufenthaltsort des wegen anderer Delikte mit italienischem Haftbefehl gesuchten Romeo ermitteln können, sagte Haufmann. Romeos Festnahme sei aber aufgeschoben worden, um an Strangio heranzukommen.

Am Donnerstag waren die Fahnder sich schließlich sicher, dass beide zusammen mit Strangios Familie in dem Mehrfamilienhaus lebten und schlugen zu. In der Wohnung im zweiten Obergeschoss fand die Polizei rund eine Million Euro in bar, zahlreiche gefälschte Pässe, eine Apparatur zum Fälschen von Dokumenten sowie eine Schusswaffe. Ob es sich dabei um eine der in Duisburg benutzten Tatwaffen handele, sei noch nicht geklärt, sagte Haufmann.

Strangio hatte nach Erkenntnissen der Ermittler den Fluchtwagen gefahren. In dem Fahrzeug waren seine DNA-Spuren gefunden worden. Schmauchspuren am Lenkrad legen nah, dass er auch geschossen hat. Nach der Bluttat war den Tätern die Flucht nach Gent in Belgien gelungen, wo sie zunächst untertauchten.

Hintergrund der blutigen Mafia-Fehde ist ein seit Jahren tobender Machtkampf zwischen den beiden Familienclans Nirta-Strangio und Pelle-Vottari, der in Kalabrien bereits mehrere Menschenleben gekostet hat.

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