Multinationales Kommando in Ulm nimmt Kurs auf Nato-Einsätze

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Generalleutnant Jürgen Knappe beim mobilen Gefechtsstand auf dem Truppenübungsplatz Heuberg: Sein Ulmer Kommando steht derzeit i
Generalleutnant Jürgen Knappe beim mobilen Gefechtsstand auf dem Truppenübungsplatz Heuberg: Sein Ulmer Kommando steht derzeit in der Zertifizierung für weltweite Kriseneinsätze. (Foto: dpa)
Chefreporter Ulm und Alb-Donau

Dass sich ausgerechnet die friedliche südschwedische Provinz Kalmar abspaltet und einem anderen politischen Bündnis anschließt, ist in Wirklichkeit höchst unwahrscheinlich. In der aktuellen, groß angelegten Nato-Übungsserie „Trident Jaguar“ dagegen gilt Kalmar als Hort des Bösen. „Kalmar ist eine abtrünnige Region, die sich wieder ans Mutterland, an den ebenso fiktiven Staat Arnland anschließen soll.“

Oberstleutnant Werner Christmann, er ist Schichtleiter in der Operationszentrale (OPZ) des Ulmer Multinationalen Kommandos Operative Führung, erfüllt im Übungsszenario einen Auftrag der Nato: „Die staatliche Einheit Arnlands, das die Nato um Hilfe gebeten hat, ist wiederherzustellen.“ In der Übung haben Christmann und seine Offiziere im OPZ nur PCs, Netzwerke, Karten und ihre Erfahrung zur Verfügung. In Wirklichkeit würden sie mehrere Zehntausend Soldaten führen.

Neue Aufgaben stehen an

Am Ende der „Trident Jaguar“-Serie, die derzeit 160 Ulmer Soldaten aus zwölf Nationen unter Führung ihres Befehlshabers, Generalleutnant Jürgen Knappe, auf den Truppenübungsplatz Heuberg führt, soll die Zertifizierung durch das nordatlantische Verteidigungsbündnis stehen. Und nach dem „Nato-TÜV“ hat das Bündnis auch schon neue Aufgaben für das Kommando in Aussicht: die Koordination und den Schutz von Transport und Logistik. Seit mehreren Jahren bereiten sich die Ulmer Soldaten auf die Zertifizierung vor. Voraussichtlich Ende Mai, nach einer erneuten Prüfphase mit anderen Aufgaben im norwegischen Stavanger, wird Generalleutnant Jürgen Knappe die begehrte Urkunde erhalten. Seine Soldaten stehen dann im Auftrag der Vereinten Nationen, der Nato oder der EU zur Führung von bis zu 60 000 Mann bereit. Ihr Alleinstellungsmerkmal im Bündnis: „Weltweit verlegbar, teilstreitkräfteübergreifend, multinational“, betont der Pressesprecher, Oberstleutnant Hagen Messer.

Entscheidung im Juni

Ganz offensichtlich haben die Ulmer Soldaten beim Bündnis einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Denn schon vor der Zertifizierung sieht es so aus, dass zusätzlich zur Führung von Auslandseinsätzen eine neue Aufgabe auf die Ulmer wartet.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat ihren Kollegen im Bündnis vorgeschlagen, dass die Bundeswehr das neue Kommandozentrum für schnelle Truppen- und Materialtransporte der Nato, ihre Koordinierung und Sicherung stellt. Als Standort wird Ulm favorisiert. Die Entscheidung wird im Juni fallen. Die Zeit drängt: Das Magazin „Der Spiegel“ hatte 2017 einen Nato-General zitiert, der sagte, nach dem Kalten Krieg habe man „das Bewegen von Truppen schlicht verlernt“. Das sei umso bedenklicher, als die Nato zwar Truppen nach Estland, Lettland und Litauen verlegt hat, das aber bei einer Konfrontation mit Russland nicht reichen würde. Und es gibt bürokratische Hindernisse. Ben Hodges, damals Oberkommandierender der US-Landstreitkräfte für Europa, forderte deshalb die Einrichtung einer „militärischen Schengen-Zone“, innerhalb derer sich Militärkonvois ohne Kontrollen bewegen könnten.

Lob vom Generalleutnant

„Natürlich freuen sich meine Soldaten, dass die Nato uns vertraut“, sagt Generalleutnant Knappe. Die Nato-Prüfkommissionen hätten in den vergangenen Tagen die stabsmäßige Führung der Mobilisierung und Verlegung großer Truppenteile für Militäroperationen der Nato oder der EU unter die Lupe genommen. „Und das ist ordentlich über die Bühne gegangen“, lobt Knappe. Ob bei Auslandseinsätzen oder im Bereich Transport Logistik, immer gehe es um operative Führung, um Koordination, um internationale Zusammenarbeit: „Und das können wir.“

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