Mit Kopfschmerzen zum Unternehmenserfolg: So funktioniert Design Thinking

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Kopfschmerzen und Chaos. Wenn es nach Veronika Sallenbach geht, sind das zwei Geheimzutaten für ein gutes Business.
Kopfschmerzen und Chaos. Wenn es nach Veronika Sallenbach geht, sind das zwei Geheimzutaten für ein gutes Business. (Foto: SZ)
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Kopfschmerzen und Chaos. Wenn es nach Veronika Sallenbach geht, sind das zwei Geheimzutaten für ein gutes Business. Auch wenn es nicht so klingt, steckt Methode dahinter: Design Thinking.

Nicht die Idee, die einem Gründer persönlich gut gefällt, ist erfolgsversprechend. Sondern die Idee, die die Kopfschmerzen eines möglichen Kunden heilt. Sallenbach – Innovationsexpertin aus der Schweiz – hat diesen Ansatz am Donnerstag beim Bodensee-Business-Forum in einem Workshop vorgestellt.

Das Chaos fängt an mit einer Zettelflut. Die Workshopteilnehmer sollen erst einmal sammeln. Wo überall lässt sich nach einer Idee fischen? Im Bodensee. Und rundherum.

Unabhängig von einer konkreten Idee geht es erst einmal darum, so genannte Opportunitäten zusammen. Dazu gehört alles, was eine Region ausmacht: Menschen, Stärken, Schwächen. Es fallen Stichworte wie Urlaubsregion, Mittelstand, der ländliche Raum, Erfinder.

„Und was wäre Oberschwaben ohne die Neig'schmeckten?“, ergänzt ein Teilnehmer und lacht.

Alle Einfälle werden auf Post-its gesammelt. Und weil das für Veronika Sallenbach noch zu wenig Chaos ist, eröffnet sie gleich im Anschluss eine zweite Brainstormingrunde. Schließlich gibt es in einer Region nicht nur Potential für eine gute Geschäftsidee.

Der Bodensee spült auch Herausforderungen an Land. Eine der größten ist für die Teilnehmer die Personalabwanderung weg vom ländlichen Raum. Fehlende Infrastruktur bemängeln sie in zwei Bereichen: Verkehr und Digitalisierung.

Beispiel Schienennetz. „Wie soll man da denn innovativ sein?“, fragt Julia in ihre Arbeitsgruppe. Im Team sollen die Teilnehmer jetzt Potentiale und Herausforderungen zusammenbringen und daraus Ideen entwickeln.

Die 32-Jährige spielt schon länger mit dem Gedanken, ihr eigenes Unternehmen zu gründen. Aber keine Idee hat sie bisher so wirklich überzeugen können. Und die Begeisterung für den Verkehrsbereich hält sich gerade noch in Grenzen.

Aber immerhin bereitet er ihr und ihren Gruppenmitgliedern Kopfschmerzen. „Hier unten mit dem Zug fahren? Ja das ist so eine Sache.“ Da sind sich alle einig.

Eine Gruppe weiter geht es um die Landflucht. „Wohnen muss attraktiv bleiben“, sagt eine junge Lehrerin. Mit Legosteinen baut sie einen Prototypen für ihre Idee zusammen: „Wie wär's mit Dachbegrünung?“ Eine andere Gruppe schlägt vor den Mieterschutz auszubauen oder die Grundstücksgröße zu begrenzen.

Ausbau statt Begrenzung – das ist einer der Vorschläge für den Bereich der digitalen Infrastruktur. Dabei soll nach Wunsch der Teilnehmer nicht das Glasfasernetz sondern ein Globales WLAN über Sattelitentechnik vorangetrieben werden. Blieben Leerrohre leer, sei eben auch nichts gewonnen, erklärt eine Teilnehmerin.

Und im Bereich der Verkehrsinfrastruktur? Hat der Austausch in der Gruppe den Blick geweitet. Julia hat sich in ihrer Gruppe überlegt, einen Tunnel unter den Bodensee zu graben. „Da ist man viel schneller in der Schweiz oder in Österreich.“ Einen Tunnel zu graben geht aber nicht ohne Brücken zu schlagen.

Denn ohne Nei'geschmeckte lasse sich wohl wirklich keine der Ideen umsetzen, sagt Julia. „Das ist ja gar nicht zu verhindern und auch nicht realistisch.“ Wer gründet, müsse das zusammen tun.

Und irgendwie ist das ja auch im Sinn des Design Thinkings: je bunter die Hintergründe der Gründer, desto größer das Chaos und damit auch der Ideenpool. Aber die Ideen aus dem Workshop sind zunächst einmal der Anfang.

Wer gründen möchte, soll anfangs zwar herumspinnen, sagt Veronika Sallenbach. Früher oder später braucht es dann aber doch einen Business-Plan. Und vielleicht Kopfschmerz-Tabletten für die Gründer. Denn nach dem Ideen-Chaos ist vor dem Zahlen-Chaos.

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