Mit dem Schulbus in eine bessere Zukunft

Lesedauer: 11 Min
Die Kinder in der Grundschule des Flüchtlingscamps Mam Rashan ahnen: Bildung ist ihre einzige Chance auf ein besseres Leben. Dar
Die Kinder in der Grundschule des Flüchtlingscamps Mam Rashan ahnen: Bildung ist ihre einzige Chance auf ein besseres Leben. Darum lernen sie – und brauchen Hilfe. (Foto: Ludger Möllers)
Chefreporter Ulm und Alb-Donau

“Helfen bringt Freude“

Fluchtursachen bekämpfen, menschenwürdiges Leben ermöglichen: Diesen Schwerpunkt setzen wir auch in diesem Jahr mit unserer Weihnachtsspendenaktion.

Weltweit sind laut UN-Flüchtlingshilfe mehr als 68,5 Millionen Menschen aktuell auf der Flucht, Tendenz steigend.

Die Spenden kommen der Hilfe für Menschen im Nordirak, ehrenamtlichen Initiativen und Caritas-und Diakonieprojekten in Württemberg sowie in Lindau unmittelbar zugute.

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Stichwort: Helfen bringt Freude

schwaebische.de/

weihnachtsspendenaktion

Rewe, Naze, Gule, Beriwan und Nazdar gehen im Flüchtlingscamp Mam Rashan zur Schule. Erkennbar gerne sind die Mädchen im Unterricht der dritten Klasse dabei, beteiligen sich, lernen eifrig. Insgesamt 2000 Kinder und Jugendliche besuchen die Schulen im Camp. Ihre Chancen auf Rückkehr ins immer noch umkämpfte heimische Shingal-Gebirge sind gering, die Nachrichten melden es täglich. Vielleicht spüren die Kinder, dass nur Bildung, Wissen und irgendwann ein Schulabschluss neue Perspektiven bieten und ihre einzige Chance sind, dem trostlosen Leben in Camps entfliehen zu können.

Die Lehrer, meist selbst Flüchtlinge, unterrichten in zwei Schichten. Und sie haben einen Wunsch: „Dass die älteren, arabisch sprechenden Kinder auf weiterführende Schulen gehen können.“ Für kurdisch sprechende Schüler sei im Camp gesorgt. Aber die nächsten weiterführenden Schulen arabischer Sprache sind schwer zu erreichen: Die Stadt Mahat ist zwölf Kilometer entfernt, die Stadt Sheikhan gar 25 Kilometer – zu weit für den täglichen Fußmarsch hin und zurück: „Auf meinem Wunschzettel stehen daher ganz oben zwei gebrauchte Busse, die dann die Schüler transportieren können“, bittet Campleiter Shero Smo die Leser um ihre Hilfe. Mit zwei Bussen, finanziert aus den Mitteln der Weihnachtsspendenaktion „Helfen bringt Freude“, könnte 170 Kindern dauerhaft der Schulbesuch ermöglicht werden. „Eine Investition in die Zukunft, die sich ganz sicher lohnt.“ Für Smo ist selbstverständlich: „Mädchen und Jungen sind absolut gleichberechtigt!“

Für die Organisation und den Betrieb will das Team um Smo sorgen. Morgens, mittags und abends sollen Fahrer, die selbst Flüchtlinge sind und somit einen Arbeitsplatz bekommen, die Kinder in den Bussen mit jeweils 21 Sitzplätzen zur Schule bringen und sie wieder abholen. Die Eltern werden einen eigenen Beitrag von umgerechnet fünf Dollar pro Monat leisten. Smo ist sicher, dass dieser Betrag ausreicht, um das Benzin, den Lohn für die Fahrer sowie Reparaturen zu bezahlen. Heute beträgt das Fahrgeld für einen privaten Fahrdienst 22 Euro. „Das können sich viele Familien, zumal mit drei oder vier Kindern, einfach nicht leisten“, erklärt Smo, „denn das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR gewährt nur 15 Dollar Hilfe pro Kopf und Monat.“ Vielen begabten, aber aus armen Familien stammenden Schülern sei deshalb der Weg in eine gute Zukunft verbaut.

Der Enge des Camps entfliehen

Rewe, Naze, Gule, Beriwan und Nazdar, das Mädchen-Quintett aus der dritten Klasse, wird in einigen Jahren von den Spenden profitieren und mit dem Bus zur Schule fahren. Heute wären Sadik Khudeda und Alamadar Fares, die die elfte und die zehnte Klasse des Gymnasiums besuchen, froh, wenn sie mit dem Camp-Schulbus fahren könnten: „Wir finden es gut, wenn wir aus der Enge des Camps rauskommen und lernen können, aber wir wissen nicht, wie lange sich unsere Eltern diese hohen Fahrtkosten noch leisten können.“ Gerade der Austausch mit Schulkameraden, die keine Flüchtlinge sind, sei wichtig, ergänzt Campleiter Smo: „Wo sollen die Kinder aus den Camps sonst mit Gleichaltrigen zusammenkommen und lernen, wie ein normales Leben aussieht?“

Das Projekt passt in die Ausrichtung der Weihnachtsspendenaktion der „Schwäbischen Zeitung“, da es wie die anderen Vorhaben seit 2016, Hilfe zur Selbsthilfe ermöglicht und unbürokratisch, direkt vor Ort umgesetzt wird. Ladenzeilen und Gewächshäuser schaffen Arbeitsplätze, Wohncontainer bieten menschenwürdigen Raum. Im Begegnungszentrum kommen die Bewohner zusammen. Therapeuten helfen schwer traumatisierten Frauen, Mädchen und Kindern zurück ins Leben. Auf den Fußball- und Spielplätzen finden nachmittags Kinder zusammen, die vormittags, warm angezogen, mit Schulmaterial ausgestattet gelernt haben – ebenfalls gespendet von Lesern der „Schwäbischen Zeitung“. In diesen Tagen beginnen bereits im Nachbarcamp Sheikhan die Arbeiten für einen Spielplatz und weitere Ladenzeilen.

Mit dem Schulbusprojekt trägt die Weihnachtsaktion ein wenig dazu bei, die Benachteiligung der Bevölkerung im Nordirak auszugleichen: „Die Wucht der Zerstörung durch drei Kriege machte auch vor den Köpfen nicht Halt“, sagte die schwedische Irak-Expertin und Journalistin Birgit Svensson der „Deutschen Welle“. Das Embargo nach dem zweiten, dem Kuwait-Krieg, in den 1990er- Jahren habe das Land gespalten: „Die von der Uno verhängte Flugverbotszone bot den Kurden zwar Schutz vor weiteren Verfolgungen Saddams, blockierte aber jeglichen Fortschritt. Akademischer Austausch war praktisch unmöglich. Die archaischen Familienstrukturen fanden sich schnell auch im Bildungswesen wieder.“

Wenn überhaupt, seien zuerst die Jungs in die Schule geschickt worden, sagte Svensson. „Die Mädchen mussten zu Hause bleiben oder wurden ohne Schulabschluss aus dem Unterricht abgezogen. Tausende Kurden waren schon früher vor den Schergen des Diktators ins Ausland geflohen. In den Zeiten der Isolation flohen nochmals Abertausende.“ Vor zehn Jahren führte ein Rückkehrer aus Schweden, der Bildungsminister in der damaligen kurdischen Regionalregierung wurde, das schwedische Schulsystem ein: sechs Jahre Grundschule, danach jeweils drei Jahre Mittelschule und – bei Eignung und Leistung – Gymnasium.

Bildung sichert Überleben

2014 folgte der nächste Rückschlag: Die meisten Schulen in den jesidischen Heimatdörfern wurden von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) zerstört, wie Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad im Februar 2018 berichtete: „Die Bildung, der Aufwand, den die Kinder jahrelang betrieben haben, wurde in wenigen Tagen durch den IS zunichte gemacht.“ Auch vier Jahre nach dem Sieg gegen den IS seien die meisten Schulen im Shingal-Gebirge noch nicht wieder aufgebaut. Es gebe dort auch keine Lehrkräfte. Dabei sei Bildung „der wichtigste Baustein dafür, dass ein Volk wie das der Jesiden überleben kann.“

Campleiter Shero Smo steuert seinen Teil zum Überleben der Jesiden bei und weiß, dass der Zugang zu Schulen den Kindern „Widerstandsfähigkeit und Hoffnung“ gibt und sie vielleicht davor bewahrt, „in die Fänge von Ideologen zu geraten“. Smo wird zur Tat schreiten: In den kommenden Wochen will er sich in der kurdischen Hauptstadt Erbil nach gebrauchten Bussen umschauen. Und mithilfe der Leser dieser Zeitung zwei Fahrzeuge kaufen: „Helfen bringt Freude.“

Jesiden können die Landwirtschaft in Sheikhan durch Erfahrung bereichern

In der Gegend von Sheikhan, einer Stadt in der autonomen Region Kurdistan im Nordirak, leben nach wie vor Zehntausende jesidische Flüchtlinge. „Das hat unseren Zusammenhalt gefordert“, sagt Sardar Yahia, Bürgermeister von Sheikhan. Aber die Aufnahme der Jesiden habe der Region auch viel Gutes gebracht. „Unsere Ackerflächen werden seither besser genutzt.“ Die Jesiden hätten ihre große Erfahrung in der Landwirtschaft mitgebracht, das käme der Region zugute. Sheikhan sei ein reiches Gebiet mit Landwirtschaft, Öl und fossilem Wasser.

Dieses Potenzial will der Bürgermeister künftig noch besser nutzen und in Brunnen, Düngemittel und landwirtschaftliche Ausrüstung investieren. Von diesen Projekten werden die Jesiden seiner Meinung nach am meisten profitieren. „Im Moment sind sie die ärmsten Menschen in Kurdistan“, sagt er.

Rund 50 000 jesidische Flüchtlinge hat die Region um Sheikhan aufgenommen, dazu kamen 30 000 Vertriebene aus anderen irakischen Konfliktregionen. Viele von ihnen konnten inzwischen in ihre Heimat zurückkehren – nur die Jesiden nicht. Die meisten von ihnen wohnen noch immer in Camps in der Nähe der Stadt, ein paar Tausend leben in Häusern, die ihnen zum Teil kostenfrei von den kurdischen Eigentümern überlassen wurden. „Das Zusammenleben mit den Jesiden hat dazu geführt, dass Vorurteile, auch in der kurdischen Bevölkerung, abgebaut wurden“, sagt Yahia. „Wir haben jetzt mehr Verständnis füreinander.“

Schwierig sei es allerdings, die Infrastruktur in Sheikhan der neuen Einwohnerzahl anzupassen. „1979 wurde hier ein Krankenhaus gebaut, das für 40 000 Menschen in der Stadt gedacht war“, sagt Yahia. „Und dann mussten auf einmal 80 000 Leute damit versorgt werden.“

Auch die Schulen in seiner Stadt seien an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen. „Aber mit Hilfe aus dem Ausland haben wir dieses Problem in den Griff bekommen“, sagt Yahia. „Dafür vielen Dank auch an Deutschland.“ (clak)

“Helfen bringt Freude“

Fluchtursachen bekämpfen, menschenwürdiges Leben ermöglichen: Diesen Schwerpunkt setzen wir auch in diesem Jahr mit unserer Weihnachtsspendenaktion.

Weltweit sind laut UN-Flüchtlingshilfe mehr als 68,5 Millionen Menschen aktuell auf der Flucht, Tendenz steigend.

Die Spenden kommen der Hilfe für Menschen im Nordirak, ehrenamtlichen Initiativen und Caritas-und Diakonieprojekten in Württemberg sowie in Lindau unmittelbar zugute.

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