Minimalismus mit der Unterhose

 Wolfgang Joop mit einer Schießer-Feinripp-Unterbuchs
Wolfgang Joop mit einer Schießer-Feinripp-Unterbuchs: Wie viele Unterhosen der Modemmacher wohl sein Eigen nennt? (Foto: Patrick Seeger/dpa)
Schwäbische Zeitung

In unserer Wohlstandsgesellschaft ist naturgemäß nicht mehr der Mangel das größte Übel, sondern die Übersättigung. Kaum haben wir uns eine neue Unterhose gekauft, stellen wir fest, dass die Unterhose unserer oder unseres Nächsten schöner ist. Sodass wir uns – statt uns endlich gänzlich vom zwackenden Joch des Schlüpfers zu befreien – nach der sehnen, die wir nicht haben. Dabei brauchen wir die Unterhose des anderen natürlich nicht, weil wir reichlich selbst davon besitzen. Sind es doch sogar so viele, dass es bis an unser hoffentlich seliges Ende reicht, um mit den textilen Überschüssen jeden Samstag die Scheiben unserer Autos zu polieren.

Die Gegenbewegung versucht dem Raffen und Anhäufen mit Minimalismus zu begegnen. Dabei zählt nicht, wie viele Unterhosen ein Mensch besitzt, sondern wie wenige! Je weniger, desto minimalistischer ist man unterwegs. Die höchste Stufe des Minimalismus ist freilich auch hier wiederum mit dem radikalen Verzicht aufs zwickende Höslein erreicht.

Vor 100 Jahren besaß der Durchschnittshaushalt 180 Sachen. Heute sind es ungefähr 10 000. Nach diesen Zahlen kann mit der Wegwerfgesellschaft etwas nicht ganz stimmen. Denn wenn man alles wegwirft, kommt man unmöglich auf 10 000 Sachen. Wahrscheinlich liegt ein Zählfehler vor. Bereits vollendet erleuchtete Minimalisten schaffen es, sich mit 300 Dingen zu begnügen. Kaum mehr etwas belastet ihr Dasein. Ein befriedigendes Nichts der Seelenruhe bemächtigt sich ihrer. Über so profane Sachen wie Wäsche sind sie längst hinweg.(nyf)

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