AfD-Chef Meuthen kündigt Rückzug von Parteispitze an

Der Co-Parteivorsitzende der AfD, Jörg Meuthen, hat in einer internen Mail seinen Rückzug von der Parteispitze angekündigt. (Foto: John Macdougall / AFP)
Chef vom Dienst Digital / stellv. Leiter Digitalredaktion

Der Co-Parteivorsitzende der AfD, Jörg Meuthen, hat in einer internen Mail seinen Rückzug von der Parteispitze angekündigt. Das berichtet t-online. Demnach wolle der 60-Jährige auf dem kommenden Parteitag der AfD im Dezember nicht mehr für eine neue Amtszeit kandidieren. Meuthen gilt manchen als Puffer gegen die radikalen Kräfte innerhalb der AfD.

Der Baden-Württemberger Meuthen ist seit 2015 Vorsitzender der AfD. 2017 wurde er wiedergewählt, damals an der Seite von Alexander Gauland. Seit November 2019 führt er die Partei gemeinsam mit dem sächsischen Bundestagsabgeordneten Tino Chrupalla.

Die Entscheidung, nicht mehr für den Parteivorsitz zu kandidieren, sei ihm nicht leichtgefallen. Er habe sich aber nach "vielen intensiven Gesprächen" dazu entschieden, zitiert t-online aus dem internen Mail-Verkehr, der dem Portal nach eigenen Angaben vorliegt.

Macht- und Flügelkämpfe innerhalb der AfD

Über die genauen Beweggründe für diesen Schritt sei in dem Schreiben aber nichts zu erfahren. Meuthens Rückzugsankündigung könnte in Zusammenhang mit Macht- und Flügelkämpfen innerhalb der Partei stehen, bei denen Meuthen als gemäßigterer Gegenpol zu radikalen, völkisch-nationalistischen und rechtsextremen Strömungen gilt.

So setzt gerade der Rechtsaußen-Flügel um Thüringens Landeschef Björn Höcke gezielt auf Polarisierung und Konfrontation. Die beachtlichen Wahlerfolge der AfD im Osten des Landes hatten den Radikalen zusätzlich Auftrieb gegeben.

Der Rechtsextremismusexperte und Soziologe Matthias Quent erklärte jüngst in der Deutschen Presseagentur dpa, dass diese völkische Strömung innerhalb der AfD an Einfluss gewinnen werde. Höcke habe jetzt „Rückenwind für die innerparteilichen Machtkämpfe gegen Jörg Meuthen“.

Der Höcke-Flügel argumentiert seit langem, der Zuspruch im Osten sei ein Beleg dafür, dass die AfD mit noch größerer Abgrenzung zu anderen Parteien bessere Ergebnisse erzielen könne.

Das gemäßigte Lager um Meuthen hält dagegen, im Westen sei damit nichts zu gewinnen. Ein Erfolgsrezept für die westlichen Bundesländer hat aber auch er nicht parat. 

Meuthen zog allerdings noch am Abend der ernüchternden Bundestagswahl selbst einen Vergleich zu rechtspopulistischen Lega Nord in Italien. "Wenn wir vorankommen wollen, müssen wir im Westen genauso erfolgreich sein wie im Osten", sagte Meuthen damals. Er hoffe, dass dies jedem in der Partei bewusst sei. Die AfD dürfe eben nicht zur "Lega Ost" werden. Im parteiinternen Gerangel sitzt Meuthen aber längst nicht mehr fest im Sattel.

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen