Mesut Özil und die zwei berühmten Fotos

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Das andere berühmte Foto mit einem Regierungsvertreter: Mesut Özil 2010 mit Angela Merkel.
Das andere berühmte Foto mit einem Regierungsvertreter: Mesut Özil 2010 mit Angela Merkel. (Foto: dpa)
Ressortleiter Sport
Deutsche Presse-Agentur

Bevor an einem Abend im Oktober 2010 Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in die Katakomben des Berliner Olympiastadion eilte, um einem 21 Jahre jungen Fußball-National- und Stammspieler bei Real Madrid mit nacktem Oberkörper und Handtuch um die Hüften die Hand zu schütteln, war Mesut Özil vom Großteil der Fans im Berliner Olympiastadion bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen worden.

„Ausgerechnet unser Özil“, titelte die „Bild“ damals. „Unser Özil“ hatte brilliert beim 3:0 gegen „seine“ Türken. Doch die Mehrzahl im Stadion hatte es mit dem Gegner gehalten – und es gar nicht gut gefunden, dass sich „ihr“ Mesut für sein Geburtsland und gegen das Land seiner Großeltern entschieden hatte.

Angela Merkel dagegen machte ihn, immer zwischen den Stühlen, durch das andere berühmte Bild Özils mit einem Regierungsvertreter zum unfreiwillgen Integrationsmaskottchen. Doch Botschafter sein hatte Özil nie gewollt. Weder der eines weltoffenen, bunten, integrationsfreundlichen Deutschlands. Und obwohl seine Erklärung zum Erdogan-Foto sehr dürftig ist, wohl auch nicht der von einem autoritären Präsidenten durchregierten Türkei.

Özil, 1988 in Gelsenkirchen in eine türkische Gastarbeiterfamilie hineingeboren, in der das Geld eher knapp war, ist geradezu scheu. Öffentliche Auftritte fallen dem weltweit bekanntesten deutschen Fußballer mit den meisten Followern in den sozialen Netzwerken schwer. Umso absurder mutet es an, dass ausgerechnet er die neueste Integrationsdebatte angestoßen hat. Richtig glücklich war und ist der gläubige Muslim nur, wenn ein Ball in der Nähe ist.

Auch deshalb gab Özil alles, was abseits des Rasens spielte, allzu willfährig in fremde Hände – und war oft nicht gut beraten. Vater Mustafa war gleichzeitig erster und knallhart verhandelnder Berater. Vater und Sohn trennten sich im Streit. Bruder Mutlu Özil und Cousin Serdar übernahmen die Geschäfte. Später kam Erkut Sögüt dazu, der auch mit Harun Arslan, dem Berater von Bundestrainer Joachim Löw, geschäftlich verbandelt ist.

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