Meisterleistung der Technik: Neumayer III eröffnet

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Deutsche Presse-Agentur

Auf dem ewigen Eis der Antarktis hat am Freitag die deutsche Forschungsstation Neumayer III die Arbeit aufgenommen.

„Für die Wissenschaftler im Eis beginnt heute eine neue Ära“, sagte Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) am Freitag während einer Festveranstaltung in Berlin. „Neumayer III ist ein Meisterstück der Ingenieurskunst und ein Labor mit bislang ungekannten Möglichkeiten“. Die Ministerin war zur Eröffnung eigens per Live-Schaltung mit der 13 758 Kilometer entfernten Station verbunden. Von dem rund 40 Millionen Euro teuren Bau aus sollen Wissenschaftler das ganze Jahr über Klimadaten sammeln, bei der Erforschung von Walen helfen und die Konzentration von Treibhausgasen messen.

Die vierstöckige Forschungsstation auf dem 200 Meter dicken Ekström-Schelfeis im Südpolargebiet ist auch ein Beispiel ungewöhnlicher Baukunst: Da die bisherigen Stationen von der steigenden Schneedecke allmählich begraben und regelrecht zerquetscht wurden, steht der neue Bau auf 16 Stelzen. Diese können einzeln hydraulisch hochgefahren werden, so dass jeweils Schnee darunter geschoben und verdichtet werden kann. Auf diese Weise klettert die 2300 Tonnen schwere Station immer wieder aus der ansteigenden Schneefläche empor. Durch diese Technik wird die Lebenszeit der Station deutlich länger sein als bei den bisherigen - die Planer hoffen auf mindestens 25 bis 30 Jahre.

Nach etwa sieben Monaten Bauzeit war das Werk vollbracht. Die Station ist komplett in Deutschland hergestellt worden. Mehr als 3000 Tonnen Material und schweres Baugerät mussten ins ewige Eis geschafft werden. „Die Fracht musste an einer 20 Meter hohen Eiskante entladen werden. Da kommt nicht jedes Schiff mit 40 Tonnen Last am Kran so ohne weiteres hin. Deswegen mussten wir dafür ein großes, spezielles Schiff chartern, das das alles kann“, sagte der Ingenieur Dietrich Enss der dpa. Er war bereits am Bau der beiden Vorgängerstationen beteiligt.

Neu ist, dass die Forscher in der Neumayer III aus den Fenstern schauen können. Der Blick ist atemberaubend: Rund um die Forschungsstation ist weit und breit nichts. Bis zum Horizont ist nur weißer Schnee zu sehen, hin und wieder laufen Pinguine vorbei.

Die Wissenschaftler scheint diese Einöde aber nicht zu stören. Bei der Eröffnung pfiff ihnen ein eisiger Wind um die Ohren, und dennoch feierten sie bei minus 20 Grad dick eingepackt, aber ausgelassen ihre neue Forschungsstation. Für die Live-Übertragung im Fernsehen hatten sie zuvor mit einer Motorsäge sogar Eisblöcke aus einer Schneedüne herausgeschnitten und zu einer Eistheke aufgebaut. Wenn es ihnen aber einmal doch zu kalt werden sollte, können sich die Polarforscher auch in einer hauseigenen Sauna aufwärmen.

Im Mittelpunkt der vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven betriebenen Station werden allerdings die meteorologischen, geophysikalischen und luftchemischen Arbeiten stehen. Außerdem sind die Wissenschaftler mit dafür verantwortlich, die Einhaltung des umfassenden Verbots von Nuklearversuchen zu überwachen. Bis zu 40 Wissenschaftler können künftig auf der Neumayer III forschen. Neun Männer und Frauen können auch überwintern.

Über eine Internetverbindung kann das Team von der abgelegenen Station Kontakt zum Rest der Welt halten. Von einer Hochgeschwindigkeitsverbindung ist das überlastete Netz allerdings weit entfernt: Eine einfache E-Mail-Abfrage dauert häufig länger als zu analogen Telefon-Zeiten. Deswegen stehen für den Notfall noch tragbare Satelliten-Telefone bereit.

Internet: www.awi.de/de/infrastruktur/stationen/neumayer_station_iii/

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