Mehr Goethe wagen

Der alte Goethe.
Der alte Goethe. (Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlung)
Schwäbische Zeitung

Je weiter Koalitionsverhandlungen gediehen sind, umso stärker geht es ans Eingemachte. Selbstverständlich sind die gebetsmühlenartigen Beteuerungen grundsätzlich gelogen, wenn gewählte Parteivertreter sagen, es gehe zu allererst um Inhalte – und ganz am Ende um Ministerposten. Denn wäre dem wirklich so, hätte es nie einen juristisch unhaltbaren PKW-Maut-Versuch der dilettantischsten Sorte gegeben. Und bestimmte Leute wäre höchstens Vorsitzender des Automobilhersteller-Genesungswerks geworden und sicher kein Bundesverkehrsminister.

Welche Ministerien es in Zukunft geben wird, steht jetzt fest. Für ein separates Klimaministerium hat es wieder nicht gereicht. Überhaupt vernachlässigt die ministerielle Auswahl, dass sich die Bürger nach gänzlich anderen Ressorts sehnen. Sicher wäre für den zwischenmenschlichen Umgangston ein Bundesministerium für Höflichkeit nicht verkehrt. Oder eines für Freundlichkeit und Zuneigung. Denn wenn uns eines in diesen Zeiten fehlt, dann sind es Freundlichkeit, Zuneigung und Höflichkeit.

Johann Wolfgang von Goethe war ein höflicher Mensch und kam fast komplett ohne Ministerium aus, sieht man mal von seiner eigenen Ministertätigkeit für Bergbau ab. Auf ihn gehen die Worte zurück: „Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen.“ Also fordern wir im Geiste Goethes noch ein Ministerium für Musik, Poesie, Malerei und gute Worte. Das wäre doch zumindest ein Anfang. (nyf)

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