Martin Schulz wird zum Anwalt der kleinen Leute

Lesedauer: 3 Min
 Martin Schulz griff in Mannheim verbal die AfD an.
Martin Schulz griff in Mannheim verbal die AfD an. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung
Landes-Korrespondentin

Beim ersten großen Auftritt nach seinem ersten Koalitionsausschuss mit der CDU hat der SPD-Parteichef Martin Schulz den Regierungspartner auf Bundesebene unerwähnt gelassen. Hart ins Gericht ging er aber bei der 150-Jahr-Feier der SPD Mannheim mit der AfD. „Nichts macht mich stolzer, als wenn die mich als Hauptgegner bezeichnen“, sagte Schulz unter dem Beifall der mehr als 1000 Besucher am Freitag.

Kaum sonst irgendwo in Baden-Württemberg sind die Sozialdemokraten so stark wie in Mannheim. „Wenn die SPD Mannheim was sagt“, betonte Landesparteichefin Leni Breymaier in ihrer Rede, „dann kuscht die Partei schon.“ Sie selbst sei der SPD hier vor 35 Jahren beigetreten. „Aus Oberschwaben kommend hat mich sofort fasziniert, dass man hier gleich dazugehört hat.“ Trotz der Stärke des Kreisverbands hat die SPD bei der vergangenen Landtagswahl hier ein Direktmandat an die AfD verloren. „Schmerzhaft“ nannte Breymaier das. Beim Landesparteitag hatten die Sozialdemokraten das Ziel für die Bundestagswahl ausgegeben, bis zu vier Direktmandate zu holen – davon eins in Mannheim. Das war der SPD in den vergangenen vier Bundestagswahlen nicht gelungen.

Nach dem Koalitionsausschuss am Mittwoch hatte Breymaier auf Facebook kritisiert: „Mit dieser CDU ist in Sachen sozialer Gerechtigkeit einfach nichts zu machen.“ Keine Begrenzung der Managergehälter, auch keine Rückkehr in Vollzeit, die die SPD anstrebt. Mit solchen Details hielt sich Schulz in Mannheim zurück.

Er konzentrierte sich auf die Heldengeschichte der Partei: „Wir waren schon immer eine internationale Partei. Wenn wir für soziale Gerechtigkeit kämpfen, dann ist das kein nationaler Kampf mehr.“ Wie bei seinem Auftritt beim Landesparteitag in Schwäbisch Gmünd rief Schulz die Genossen dazu auf, den einzelnen Menschen an den Anfang des politischen Denkens zu stellen. Er machte sich dabei zum Sprachrohr der kleinen Leute – so sei etwa die OP-Schwester genauso viel wert wie der Chirurg. „Diese Leute müssen wissen: Ihr seid in unseren Augen diejenigen, die den Laden am Laufen halten.“

Einen Ausblick auf den Wahlkampf bot Schulz dann doch noch. Er sei nicht bereit, Methoden zu verfolgen, wie sie im US-Wahlkampf praktiziert wurden, so der SPD-Kandidat.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen