Margit Stumpp fordert gerechtere Aufstiegschancen für Kinder

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 Die Grünen-Abgeordnete Margit Stumpp.
Die Grünen-Abgeordnete Margit Stumpp. (Foto: Deutscher Bundestag/Thomas Koehler)
Schwäbische Zeitung

Die grüne Abgeordnete Margit Stumpp aus Heidenheim (Foto: oh) fordert mehr Geld für Bildung. Das sagte sie im Gespräch mit Sabine Lennartz.

Frau Stumpp, in Deutschland entscheidet soziale Herkunft immer noch über Bildung. Wie lässt sich das ändern?

Wichtig ist: Je früher ein Kind ins Bildungssystem kommt, desto größer sind seine Chancen für den Aufstieg. Es hat nicht nur mit dem Geldbeutel zu tun, sondern auch damit, wie kompetent die Eltern sind. Alleinerziehende haben oft wenig Zeit, Eltern mit Migrationshintergrund sind der deutschen Sprache nicht mächtig – es gibt viele Gründe. Wir brauchen deshalb mehr Lehrkräfte, mehr interdisziplinäre Teams und mehr Geld. Sieben Prozent für Bildung auszugeben, ist ein selbstgestecktes Ziel der Bundesregierung. Derzeit geben wir je nach Interpretation nur 4,3 bis 5 Prozent aus, der Durchschnitt in der OECD ist über fünf Prozent, wir liegen zurück.

Ändern die fünf Milliarden Euro vom Digitalpakt etwas? Warum ist Winfried Kretschmann dagegen?

Es gibt Untersuchungen, dass die Digitalisierung in Schulen drei Milliarden Euro im Jahr kostet. Der Digitalpakt soll fünf Milliarden in fünf Jahren geben. Er ist nur ein Mosaiksteinchen, denn das Thema Digitalisierung brennt. Allein mit Geld ist es aber nicht getan, wir brauchen Lehrkräfte, die mit digitalen Medien umgehen können. Digitalisierung greift weit in den Bereich politischer Bildung hinein und hat Auswirkungen auf Gesellschaft und Demokratie. Ministerpräsident Kretschmann will nicht die Digitalisierung verweigern, er sorgt sich um den Bildungsföderalismus. Ich kann das nicht nachvollziehen, denn den Föderalismus gab es auch schon vor dem Kooperationsverbot.

Versprechen mehr Hilfen für Brennpunktschulen Erfolg?

Ja, das zeigt sich an Schulen wie der Berliner Rütli-Schule, die zu Talentschulen wurden. Wenn man sie genau anschaut, haben sie meist eine Ganztagsstruktur und ein interdisziplinäres Team. Das ist wichtig, denn Schulen haben einen Bildungs- und Erziehungsauftrag.

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