Machtkampf im Vatikan

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Unser Kolummnist
Machtkampf im Vatikan (Foto: Roland Rasemann)
LudgerMöllers

Benedikt XVI. kann es nicht lassen: Obwohl er bei seinem Rücktritt vor sieben Jahren angekündigt hatte, künftig „für die Welt verborgen“ zu bleiben, meldet er sich zu theologischen Fragen zu Wort. Dass er genau jetzt seinem Nachfolger in den Rücken fällt und den Zölibat verteidigt, ist nicht nur stillos. Es ist schlicht illoyal.

Über den Zölibat kann und sollte man streiten, die Vor- und Nachteile abwägen, respektvoll die Tradition betrachten, theologische, menschliche und pastorale Argumente fürs Für und Wider anführen. Und dann Lösungen herbeiführen, die regional sehr unterschiedlich sein können. Wenn der Zölibat dazu führt, dass in einigen Ortskirchen der Welt die Gläubigen die Gemeinschaft mit Jesus Christus stiftende Eucharistie nicht mehr feiern können, dann ist über Veränderungen zu diskutieren.

Genau in diese Situation stoßen bewusst und gezielt der Kurienkardinal Robert Sarah und Ex-Papst Benedikt mit ihrem Buch. Ihr Ziel: Sie wollen Veränderungen verhindern und im Machtkampf punkten. Denn Papst Franziskus will über mögliche Ausnahmegenehmigungen beim Zölibat entscheiden. Im Oktober hatte eine Sondersynode der Bischöfe für die Amazonas-Region mit Zweidrittelmehrheit dafür votiert, für seelsorgerische Notstandsgebiete Ausnahmen zuzulassen.

Sarah und Benedikt erweisen der Kirche einen weiteren Bärendienst, weil sich in zwei Wochen die deutschen Katholiken auf den Synodalen Weg machen. Sie wollen neue Perspektiven für eine durch den Missbrauchsskandal in ihrer Glaubwürdigkeit zutiefst erschütterten Kirche suchen. Wer glaubt an offene Diskussionen, wenn ein Kurienkardinal und ein ehemaliger Papst vor dem Startschuss Ergebnisse vorgeben?

Nun ist der Papst gefragt: Egal, ob konservative Kreise den greisen Benedikt für ihre Zwecke schamlos instrumentalisieren oder nicht. Franziskus muss den fast 93-Jährigen an sein Schweigegelübde erinnern. Bei Kardinal Sarah hat er keine Wahl: Die Tage des erzkonservativen Kurienfunktionärs im Vatikan müssen mit der fristlosen Entlassung enden.

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