Lifeline-Kapitän Reisch in Malta auf Kaution frei

Lesedauer: 3 Min
„Lifeline“-Kapitän Claus-Peter Reisch steht in Malta vor Gericht.
„Lifeline“-Kapitän Claus-Peter Reisch steht in Malta vor Gericht. (Foto: dpa)

Für Italiens Innenminister Matteo Salvini ist Claus-Peter Reisch aus Landsberg am Lech ein „Vize-Schlepper“. Für die Männer und Frauen, die am Montagmorgen vor dem Gerichtssaal in Maltas Hauptstadt Valletta demonstrierten, ist er ein Held. Für die Justiz des südeuropäischen Inselstaats ist er ein Verdächtiger.

Mit seinem Schiff „Lifeline“ hatte der 57-Jährige vor der libyschen Küste Migranten aufgenommen und musste danach fast eine Woche auf hoher See ausharren, bis Malta schließlich einen Hafen öffnete – und Reisch vor Gericht zitierte. Der offizielle Vorwurf: Das Schiff sei nicht ordentlich registriert gewesen. Ein etwaiger Verdacht auf Menschenschmuggel sei dagegen nicht untersucht worden, sagte ein maltesischer Ermittler vor Gericht. Gegen Auflagen wurde Reisch am Montag zunächst auf freien Fuß gesetzt, darf aber Malta nicht verlassen. Die „Lifeline“ bleibt beschlagnahmt.

Mit seinem Rettungseinsatz ist der Oberbayer zwischen die Fronten der europäischen Asylpolitik geraten, für die ehrenamtlichen Seenotretter wird es immer schwieriger, einen aufnahmebereiten Hafen zu finden. Reisch wiederum wirft der EU vor, das Sterben von Flüchtlingen im Mittelmeer aus politischen Gründen in Kauf zu nehmen. „Unsere Mission hat 234Menschen gerettet, und ich bin mir keiner Schuld bewusst“, sagte der Kapitän am Montag laut einer Mitteilung der Dresdner Nichtregierungsorganisation „Operation Lifeline“, für die Reisch tätig ist.

Als politischen Menschen betrachtet sich der gelernte Automechaniker nicht, wie er im Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ gesagt hat. Bei einem Törn im Mittelmeer sei ihm vor zwei Jahren der Gedanke gekommen, selbst auf einem Rettungsschiff anzuheuern. Seiner Ansicht nach sind es nicht die ehrenamtlichen Seenotretter, die vor Gericht gestellt werden sollten, sondern die libysche Küstenwache. „Die haben mich und meine Crew noch vor kurzem mit dem Tod bedroht, und bei deren ,Rettungen‘ sterben Menschen“.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen