Kurdischstämmiger SPD-Abgeordneter rettet AfD-Mann das Leben

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 Serdar Yüksel,  SPD-Landtagsabgeordneter aus Nordrhein-Westfalen.
Serdar Yüksel, SPD-Landtagsabgeordneter aus Nordrhein-Westfalen. (Foto: Claudia Kling)
Deutsche Presse-Agentur

Der nordrhein-westfälische SPD-Landtagsabgeordnete Serdar Yüksel hat einem AfD-Mitarbeiter das Leben gerettet – der Mann hatte während einer Ausschusssitzung einen Herzstillstand erlitten.

Yüksel, 45, ist von Beruf Krankenpfleger. Viele Jahre arbeitete er auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Nebenbei engagierte er sich politisch in der SPD. 2010 wurde er in den Landtag gewählt.

Dort ist er unter anderem Mitglied im Ausschuss Arbeit, Gesundheit und Soziales. Jener tagte am vergangenen Mittwoch, als ein Mitarbeiter der AfD-Fraktion plötzlich zusammenbrach. Yüksel erkannte sofort: keine Atmung, kein Puls. Ein Notfall. Schnell begann er mit einer Herzdruckmassage. Die FDP-Abgeordnete Susanne Schneider übernahm die Mund-zu-Nase-Beatmung. Als der Notarzt eintraf, war der Patient wieder ansprechbar.

Die Eltern von Serdar Yüksel sind Kurden aus der Türkei. Der Vater kam 1964 nach Deutschland, seine Mutter 1969. Der Vater, ein Kruppianer, ist früh gestorben. Danach ist die Mutter putzen gegangen, um ihre sieben Kinder durchzubringen.

Von seinen Noten her hätte er eigentlich aufs Gymnasium wechseln können. Aber seine Grundschullehrerin sagte damals zu ihm, da er ja sowieso früher oder später mit seiner Familie in die Türkei zurückgehe, könne er besser die Hauptschule besuchen, anstatt sich mit unnötigem Wissen zu belasten.

In den vergangenen Tagen hat Yüksel viele Zuschriften bekommen. „Die Leute schreiben mir, dass wir uns gerade in diesen Zeiten trotz der politischen Unterschiede doch mal darauf besinnen sollten, dass wir alle Menschen sind und füreinander einstehen müssen.“ Und das stimme ja auch.

Damit soll es jetzt aber gut sein. Yüksel will zurück an die Arbeit. Er setzt sich für Jesiden im Irak ein und ist in einem Dutzend Vereinen aktiv. Und dann ist da natürlich noch seine Partei. „Ich glaube, die Reanimation des Kollegen war einfacher als die Wiederbelebung der SPD.“

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