Kuhfladen-Populismus in Pähl

Geldübergabe im Idyll: Hubert Aiwanger (links) mit Landwirt Georg Schweiger auf dessen Weide.
Geldübergabe im Idyll: Hubert Aiwanger (links) mit Landwirt Georg Schweiger auf dessen Weide. (Foto: dpa)
Schwäbische.de

Pähl am Ammersee ist eine idyllische Gemeinde im schönen Oberbayern. Dort aufgewachsen ist unter anderem der ebenso schlagfertige wie treffsichere Fußball-Weltmeister Thomas Müller. In Pähl leben aktuell 2464 Menschen und mindest ebenso viele Kühe. Zuletzt ist dort ein skurriler Kuhfladen-Streit entbrannt, an dessen Ende ein Bußgeldbescheid in Höhe von 128,50 Euro stand – von der Gemeinde an den Landwirt Georg Schweiger. Ein Anwohner hatte ihn verklagt, weil Schweigers Rindviecher auf dem Weg von der Weide zur Melkanlage ihre Hinterlassenschaften auf öffentlichen Straßen hinterlassen hatten.

Unfassbar, wie nicht nur Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger glaubt. Denn auf dem Land gehören Kuhfladen ebenso zum Alltag wie Glockengeläut. „Ich kann die Kühe halt nicht mit dem Hubschrauber auf die Weide fliegen und ihnen auch keine Windel anlegen“, sagte Aiwanger und fügte in seiner rustikalen Art hinzu: „Das passiert eben, dass die Kuh auf die Straße scheißt.“ Dem Kläger empfahl er, sich eine Schaufel zu holen und mit den Kuhfladen seine Tomatenpflanzen zu düngen.

Doch dabei beließ es der Minister, selbst Landwirtssohn, nicht. Er reiste nach Pähl und überreichte Bauer Schweiger 130 Euro aus eigener Tasche. Die Übergabe des Geldes erfolgte natürlich medienwirksam – vor geladenen Fotografen in einer Klarsichthülle. Dennoch ist dies die sympathische Form des Populismus. Pähls Bürgermeister Werner Grünbauer sei indes nahegelegt, nicht jeden Mist von Amts wegen zu verfolgen. Ansonsten sollte er zumindest seinen Nachnamen ändern. (jos)

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