Zweites TV-Triell: Laschet verpasst Trendwende, Baerbock gewinnt Sympathien

Claudia Kling zum TV-Triell: Laschet verpasst Trendwende
Berlin-Korrespondentin

Der Druck war immens, der beim Triell auf den Schultern des Unionskanzlerkandidaten Armin Laschet lag. Er hat sich dennoch bemüht, alles richtig zu machen, so angriffslustig zu sein, wie es seine Parteifreunde von der CSU von ihm erwartet haben. Hat den SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz hart angegangen, wegen der Durchsuchungen im Finanzministerium und wegen seiner Rolle im Wirecard- und Cum-ex-Skandal. Allein die Zuschauer haben es ihm nicht gedankt. Das Urteil, weniger überzeugend und sympathisch als Scholz zu sein, klebt wie Pech an dem Unionskanzlerkandidaten. Dass es ihm gelang, den sonst so stoischen Finanzminister aus der Reserve zu locken, er bekam immerhin rote Ohren, ist da nur ein schwacher Trost.

Dass Laschet nicht zum Wähler durchdringt, hat viel mit ihm selbst, aber auch mit Angela Merkel und dem Verhältnis von CDU und SPD in den vergangenen Jahren zu tun. Die Rolle, die der Unionskanzlerkandidat auf den letzten Metern des Wahlkampfes einnimmt, passt nicht wirklich zu ihm. Die politische Attacke auf den Gegner ist tatsächlich besser in München aufgehoben. Für den CSU-Chef Markus Söder ist es eine Mordsgaudi, wenn er seine Giftpfeile auf den politischen Gegner – und mitunter auch Unionsfreunde – abschießen darf. Söder muss sich sogar zusammenreißen, dass er dies nicht tut. Laschet wirkt hingegen so, als wäre es für ihn eine Pflichtübung, die er macht, weil es von ihm erwartet wird. Das wirkt nicht authentisch. Deshalb ist er mit Sicherheit der schlechtere Wahlkämpfer als Söder, ob er auch der schlechtere Kanzler wäre, ist eine andere Frage.

Wähler trauen SPD mehr zu

Dass Olaf Scholz das Hauptziel von CDU/CSU ist, macht es für den Unionskanzlerkandidaten doppelt schwierig. Denn dem SPD-Mann ist es gelungen, einen Teil der Wähler davon zu überzeugen, dass er die Verlängerung Merkelscher Politik in Person eines Sozialdemokaten ist. Laschet redet darüber, die Wirtschaft entfesseln zu wollen und schließt Steuererhöhungen für Vermögende aus, Scholz hingegen spricht von Rentengarantien, bezahlbaren Mieten und einem gerechteren Gesundheitssystem.

Dass viele Bürger das Gefühl haben, mit ihrem Lebensalltag besser bei den Sozialdemokraten aufgehoben zu sein, ist deshalb nicht ganz verwunderlich. Zudem scheint es einige Wähler in der Mitte zu geben, deren Kreuzchen bei der CDU in den vergangenen Jahren tatsächlich mit der Kanzlerin Merkel verbunden war.

Wie befreit es sich kämpfen lässt, wenn der Kampf ums Kanzleramt eigentlich schon abgeschrieben ist, hat Annalena Baerbock an diesem Abend beim Triell der Kandidaten gezeigt. Dass sie in den Umfragen die Siegerin des Abends bei den Sympathiewerten war, überrascht nicht. Während sich Laschet und Scholz gegenseitig rückwärtsgewandt der Unwahrheiten bezichtigten, obwohl beider Parteien seit Jahren in Regierungsverantwortung sind, ging sie nach vorne und machte die Positionen der Grünen beim Klimaschutz oder auch bei der Frage nach einer Bürgerversicherung klar. Etwas mehr von dieser Verve hätte auch den anderen beiden Kandidaten gut getan.

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